Kulturpolitik über die kulturellen Einrichtungen hinaus müsste gerade durch Selbstbeschränkung wirksam werden. Sie hätte Möglichkeiten zu schaffen, dass Experimentelles also Unbekanntes und deshalb Unvorhersehbares sich entwickeln kann, indem sie Räume bereitstellt und zugleich grundsätzlich wegsieht. HÄUßERMANN/SIEBEL, 1987, aus: Neue Urbanität. Frankfurt am Main, 1987
Früher haben wir die neuen Kulturpolitiker zur „Feuertaufe“ in den Minoritensaal geladen. Der „Open Space“ im Jahre 2003 hat diese Tradition allmählich enden lassen. Denn kurzfristig wurden die „Betroffenen zu Beteiligten gemacht“ (Zitat des damaligen Kulturstadtrats). Was ist aber wirklich daraus geworden? Ein dichtes Netz von Beiräten und Evaluierungen zum Beispiel. Irgendwie kontrolliert jeder jeden. Große Sprünge gibt es in Graz kaum noch zu machen. Wie soll sich da Kulturpolitik noch positionieren können?
Mehr als 5 Jahre nach dieser Wende – der Kulturbeirat tagt seither immer noch brav – möchten wir den Spieß noch einmal wenden und die „Beteiligtheit der Betroffenen“ anders sehen: Aufgrund der äußerst positiven Motivation, den die jungen Poetry-Slammer mit ihrem gesellschaftspolitisch engagierten Sprechen im öffentlichen Raum hervorrufen, haben wir einen „Cultural Policy Slam“ als „speakers’ corner“ zur Kulturpolitik konzipiert.
Wir widmen diesen Abend dem Austausch und der Präsentation von Ideen, die der täglichen Praxis des Kulturbetriebs erwachsen: Eingeladen sind alle TeilnehmerInnen der Evaluierung vom Sommer 2008, die neuen FördervertragspartnerInnen der Stadt Graz und die Kulturbeiräte der Stadt Graz. Jede/r hat DREI MINUTEN Zeit – keine Sekunde mehr! – Wünsche, Visionen und Konzepte (zur kulturellen Vernetzung untereinander, Optimierung von vorhandenen Ressourcen, Schwerpunktsetzungen, u.v.a.m.) zu formulieren. Achtung: Der Slam ist nicht der Beschwerdeführung gewidmet. Gesammelt werden Ideen, die der Zusammenarbeit und Kommunikation von KulturproduzentInnen, Kulturorganisationen und Kulturpolitik dienen können. Was wäre gut für die „Kulturhauptstadt Graz“? (Linz grüßt!) Mission Statements out of Ego sozusagen. Ein bisschen illusorisch zwar, das stimmt, dafür eben die 3-Minuten-Obergrenze…
Die Beiträge werden mit einem Videomitschnitt dokumentiert. Wer des Slammen nicht ganz mächtig ist, darf natürlich einen Zettel dabei haben, wo Inhalt und Zeit streng miteinander abgestimmt sind.