GRENZGÄNGE

DER MCBETH-KOMPLEX

Zur Sucht des Überlebens

lle Menschen sind sterblich; doch was sie verbindet, trennt sie zugleich. Denn der Tod ist zwar gewiss, aber sein Eintreten unbestimmt; nur dass wir sterben werden, ist sicher, nicht wie, wo oder wann. Denn wir sterben nicht gemeinsam, sondern allein, in verschiedenen Augenblicken. Die mögliche Solidarität der Lebenden gegen den Tod wird also von vornherein durchkreuzt: in der fatalen Evidenz des Überlebens.

 

Thomas Macho

Der Kulturwissenschaftler und Philosoph Thomas Macho (* 1952 in Wien) ist Professor für Kulturgeschichte an der Humboldt-Universität zu Berlin, wo er das interdisziplinäre »Hermann vonHelmholtz-Zentrum für Kulturtechnik« mitgründete. Seine Forschungs-schwerpunkte sind u.a.die Geschichte der Zeitrechnung, Tod und Totenkulte, Animal Studies. Neueste Publikationen:
(Hrsg. mit Kristin Marek): Die neue Sichtbarkeit des Todes, München (Fink) 2007; Tiefenrausch.
Ein Lesebuch der Unterwelt (Folio-Verlag) 2008.


Eine Veranstaltung von Akademie Graz, Schauspielhaus Graz und Karl-Franzens-Universität Graz

 

 

„Die Asymmetrie des Todes - die Differenz zwischen Gewissheit und Unbestimmtheit seines Eintritts - kann sich in der Evidenz des Überlebens, im Machtrausch des Siegs über zahllose Tote manifestieren, aber auch in der genealogischen Paranoia der Herrschenden, die der Gewissheit entspringt, dass alle Überlebenden irgendwann selbst überlebt werden, ja dass die Nachkommen schon geboren sind, die mich begraben werden. Dem Überlebenden sind daher die Kinder die schlimmsten Feinde; denn ihre Macht besteht im höheren Überlebenspotential, im möglichen Anspruch auf Nachfolge und Thron. (…) Nur oberflächlich geht es um Schuld, Strafe und Buße, um die wiederholte Reinigung schmutziger Hände, um die Auslöschung oder Verzeihung böser Taten. Im Zentrum der Zwangshandlungen wirkt vielmehr das Begehren, die Zeit - den Tod selbst - aufzuhalten.“ (Thomas Macho)

In Kooperation mit dem Schauspielhaus Graz und der Karl-Franzens-Universität Graz



Montag, 18. Jänner 2010
Beginn: 20.00 Uhr
PROBEBÜHNE, SCHAUSPIELHAUS GRAZ

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