Vortrag von: Dr. Michael Schmidt-Salomon (Giordano Bruno Stiftung)
„Kopftuchstreit“, „Zwangsheirat“, „Kreationismus“, „Minarettverbot“ – der „Kampf der Kulturen“ hat Europa längst schon erreicht. Bislang, so scheint es, sind die europäischen Gesellschaften allerdings damit überfordert, den neuen Herausforderungen produktiv zu begegnen. Ein Grund hierfür ist, dass die politische Landschaft von einem verhängnisvollen Dualismus bestimmt wird: Während die einen von einer „multikulturellen Gesellschaft“ träumen, in der sich alle Probleme wie von Zauberhand in Wohlgefallen auflösen, setzen die anderen auf eine „Null-Toleranz“-Politik, mit der sie hoffen, die „christliche Festung Europa“ gegen den Islam – letztlich aber auch gegen den modernen Säkularismus! – zu verteidigen. Michael Schmidt-Salomon hält beide Strategien für verfehlt. Er empfiehlt eine Rückbesinnung auf jene „uralten und zugleich hochmodernen Ideen, die Europa stark gemacht haben“, nämlich die „Leitkultur Humanismus und Aufklärung“. Eine stärkere Berücksichtigung dieser Leitkultur könnte, so Schmidt-Salomon, den europäischen Gesellschaften helfen, einen Weg jenseits von Fundamentalismus und Beliebigkeit zu finden; einen Weg, der uns dazu befähigen würde, die „offene Gesellschaft“ gegen ihre Feinde zu verteidigen, ohne dabei selbst die Prinzipien der offenen Gesellschaft aufs Spiel zu setzen.
Dr. Michael Schmidt-Salomon ist freischaffender Philosoph, Sozialwissenschaftler und Schriftsteller, außerdem Mitbegründer und Vorstandssprecher der Giordano Bruno Stiftung, der viele renommierte Wissenschaftler, Philosophen und Künstler angehören. Zahlreiche Veröffentlichungen, z.B. „Manifest des evolutionären Humanismus Plädoyer für eine zeitgemäße Leitkultur" (2006) sowie jüngst „Jenseits von Gut und Böse. Warum wir ohne Moral die besseren Menschen sind.“ (2009). Schmidt-Salomon wurde in der Vergangenheit mehrfach ausgezeichnet (u.a. mit dem Topitsch-Preis der Kellmann Stiftung für Humanismus und Aufklärung). Als naturalistisch denkender Philosoph ist er häufig in Presse, Funk und Fernsehen vertreten.
Eine Veranstaltung von Akademie Graz, Kulturzentrum bei den Minoriten und Urania für Steiermark