HERBSTVORLESUNG

UNRUHE BEWAHREN

DAS ENDE DER GEHORSAMKEIT

ANNELIESE ROHRER

Die größte Gefahr für die Demokratie in Österreich ist die Gleichgültigkeit seiner Bürger. Und ihr Unwillen, sich aktiv in ihre eigenen Angelegenheiten einzumischen. Und ihr Gleichmut allen Verstößen demokratischer Spielregeln gegenüber. In Österreich hat sich der Gehorsam den Mächtigen gegenüber auf vielen, wenn nicht sogar allen Ebenen als Leistungskategorie entwickelt. So lässt sich aber auf Dauer keine lebendige Demokratie festigen. Es ist eine Illusion zu glauben, die Entwicklung der Zweiten Republik sei unumkehrbar.

"Es ist dieser leere Blick. Nicht immer, aber noch immer viel zu oft. Und er macht nachdenklich.
Wogegen man nichts unternehmen könne, dem müsse man auch keine Anstrengung widmen. Das ist sogar in einer hochentwickelten Demokratie, wie Österreich eine zu sein glaubt, ungemein gefährlich. So kann zwar der Form nach die Demokratie aufrecht erhalten, dem Inhalt nach aber vollkommen ausgehöhlt werden. Eine solche Entwicklung darf nicht mit leerem Blick beobachtet werden."

Anneliese Rohrer ist eine der profiliertesten Journalistinnen Österreichs.
Sie lehrte nach ihrem Geschichte-Studium in Wien drei Jahre lang an der Universität Auckland, Neuseeland. Seit 1974 war sie für die Tageszeitung DIE PRESSE tätig, wo sie ab 1987 das Ressort Innenpolitik und von 2001 - 2005 das Ressort Außenpolitik leitete. Im Jahr 2003 wurde Anneliese Rohrer mit dem Kurt-Vorhofer-Preis für Politikjournalismus ausgezeichnet. 2005 erschien ihr Buch Charakterfehler - die Österreicher und ihre Politiker. Sie ist Lektorin am FH Studiengang Journalismus in Wien.



Dienstag, 9. November 2010
Stadtmuseum Graz
Beginn 19.00 Uhr

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