12.03.2015 - 19.03.2015

KUNST VOR ORT

AUSSTELLUNG GERTRAUD ENZINGER

GERTRAUD ENZINGER
lebt und arbeitet in Gleisdorf. Sie studierte Sprachen an der Universität Graz und am Columbia College Missouri, USA. 2014 absolvierte sie die Meisterklasse für Bildhauerei an der Ortweinschule bei Markus Wilfling. Sie arbeitet in den Bereichen Objekt, Installation und Fotografie. Materialien, naturfremde wie natürliche, lässt sie den Kontext wechseln, ihre Materialität, ihre Form und ihre Oberflächen werden zum Ausgangspunkt von bildhauerischer Eingriffen, verwandeln sich in Haut oder Körper. Licht und umgebender Raum spielen bei ihren installativen Inszenierungen eine zentrale Rolle.

 

AUSSTELLUNGEN (Auswahl)
„Small Pieces“, Galerie Lendl, Graz, 2014; „Übungsfahrt“, kunstlos, Kirchberg, 2014/2005; Galerie 44QM, Hartberg, 2013; 4th Triennial of Textile Art, Szombathely (H), 2012/2009; „10days10artists” / SLOW! Zeit als gestaltbare Dimension, Hartberg, 2012; „Museum Frauen Circus: unterwegs“, Pavelhaus, Bad Radkersburg, 2012; „Leben: Die Praxis der Zuversicht“, kunstost, Museum im Rathaus, Gleisdorf, 2012; „Vanish/Survive“, Art Gallery Arka, Vilnius (LT), 2011; Palazzo Mocenigo, Venedig (I), 2011/2007; Salon de l`Hotel de Ville, Montrouge, Paris (F), 2011/2007/2005; „The Reverse and the Front Side“, Galèria SVU, Bratislava (SK), 2011; „Miniartextil”, Como (I), 2010/2006/2004; „Participation Nature“, Pöllau, 2010; Höhler-Biennale, Gera (D), 2009; „Lichtspiele”, HWK Hannover (D), 2009; „Bruch/Fraction“, IGW Engi, Textilforum Schweiz, 2008; „Oststeirische Netzkultur”, Installation im öffentlichen Raum, Weiz, 2008.

AUSZEICHNUNGEN
Preis der Ungarischen Akademie der Künste, 4th Triennal of Textile Art, Szombathely, (2012); Meisterklassen-Stipendium der Akademie Graz, (2014).



 

Gertraud Enzinger startet ihre Ausstellung mit einem Statement für das Holzbrett – als Schneidbrett. Angelehnt an den vehementen Protest einer Grazer Bioladen-Besitzerin gegen die Verwaltungsstrafe, die sie aufgrund der Verwendung von Holzbrettern bei der Lebensmittelzubereitung erhielt, gestaltete die Künstlerin als Solidaritätsaktion eine Serie von Schneidbrettern, die sie mit dem Schnitzmesser bearbeitete. Es entstanden verschiedene Strukturen, die in ihrer Form an abrinnendes Wasser erin- nern, vielleicht aber auch an sogenannte Biofilme, die eine der ältesten und bis heute erfolgreichsten Formen des Lebens darstellen und eine sehr interessante kooperative Überlebensform von Mikroor- ganismen wie Algen, Bakterien oder Protozoen sind.
Wie man als Gemeinschaft ein Überleben organisiert, ist auch Thema von Gertraud Enzingers raumgreifender Installation „tischgesellschaft“. Ein Schwarm von Tischen strömt aus der Ecke des Raums heraus. Diese Tische bestehen aus einfachen Holzbrettern und sind nur insofern Tische, als sie dem Formprinzip Tisch entsprechen und damit das symbolisch aufgeladene Motiv aufgreifen – immer- hin ist der Tisch das Sinnbild für Gemeinschaft schlechthin. Ansonsten sind diese Objekte eigentlich eher wesenhaft, wie Tierrücken auf vier Beinen. Ihre Oberflächen sind mit einer Vielzahl kleiner Einkerbungen versehen, die ein lebendiges Spiel von Licht und Schatten erzeugen.

Gertraud Enzinger möchte, wie sie sagt, den industriell verarbeiteten Holzbrettern ihre Rinde wieder zurückgeben. Sie hat die Bretter grau gebeizt, was sie verwittert aussehen lässt. Darauf entwickelt sie in rhythmisierter Dichte aufgeschnittene Oberflächen, die an Strukturen in der Natur erinnern – vielleicht an wachsende Eiskristalle auf harschigen Schneeflächen oder auch an Fischschwärme. Wie der Biofilm, so entsteht auch der Schwarm durch Selbstorganisation und verheißt ein Leben in Schutz und Gemeinschaft. Er verhält sich wie ein Wesen, weil er ein komplexes, anpassungsfähiges System darstellt, das auf Interaktion und Kooperation beruht. Davon ausgehend wurde die Schwarmintel- ligenz zu einem Erklärungsmodell menschlicher Organisationsprozesse, etwa bei demokratischen Entscheidungen oder in sozialen Netzwerken.

Es war eine der wichtigsten Entdeckungen der letzten Jahrzehnte, dass nicht allein der Kampf ums Überleben die Evolution vorangetrieben hat, sondern die Fähigkeit zu Kooperation und Interaktion. Entsprechend simuliert Gertraud Enzinger bereits in einer früheren Arbeit für das Kunstfestival Close To Nature eine Ausgrabungsstätte im Pöllautal. Mit Holzspänen gefüllte Zementsäcke formen den Anschein eines Mauerrests im Wald, und ein im Geviert befindliches Zelt markiert den Ort vergan- gener Gemeinschaft, deren Spuren geborgen werden könnten. Allerdings verdreht diese Arbeit die Zeitläufte auf eine irritierende Weise: Mauern aus Zementsäcken – ist das nicht eher ein Memento Mori auf unsere gegenwärtige Zivilisation, die offensichtlich bereits von der Natur überwuchert und verstoffwechselt wurde?
Gertraud Enzinger bevorzugt einfache, alltägliche Materialien wie Holz, aber auch unterschiedliche Gewebe aus Kunststoffen oder Metallen. Ein interessantes Reservoir dafür ist der Baumarkt, denn die Vielfalt von Werkstoffen dort ist anregend, das meiste ist leistbar und der ursprüngliche Verwen- dungszweck wird selbstverständlich konzeptuell ignoriert. Mit diesen technischen und industriellen Ausgangsstoffen macht sie sich an die Analyse der Formwerdung in der Natur. Ausbuchtungen, Ein- kerbungen, die Überlagerung von Schichten, die Bildung von Hüllen sind strukturbildende Elemente, die sie sowohl in kleinen Objekten und Arrangements als auch in großen Installationen und ortsspe- zifischen Interventionen analysiert. Die Naturgesetze gelten überall, aber es ist doch überraschend, dass sich aufgrund bestimmter Ausgangsbedingungen immer entsprechende Texturen entwickeln, egal ob das Ausgangsmaterial natürlichen oder künstlichen Ursprungs ist. Auf poetische Weise arbei- tet Gertraud Enzinger diese Verbindungen und formalen Bezüge zwischen Natur und Kultur heraus. Protozoen, die „ersten Tiere“, formt sie ebenso sinnig wie ansprechend aus Fliegengitter nach. Das Gewebe ist ein experimentelles Material, mit dem auch wieder ein soziales Organisationsprinzip ins Spiel kommt. Deutlich zu sehen etwa in der Installation aus Hagelnetzen, eine gemeinsame Arbeit mit Georg Enzinger für das Kunstprojekt „Oststeirische Netzkultur”. Die Hagelnetze als ein in der ost- steirischen Landschaft omnipräsentes Gewebe bildeten hier in dichter Überlagerung Kokons, die ei- nen Rückzugsraum herstellen und es ermöglichen, das „schnelle Leben schichtweise auszublenden“. Alle ihre Arbeiten inszeniert Gertraud Enzinger in eigens gestalteten Räumen, sie erschafft abstrakte Umräume für ihre Objekte, in denen sie ihr Eigenleben entwickeln können, abgesetzt vom Rest der Welt – einer Welt, in der Fliegengittern oder Hagelnetzen eben doch nicht unendliche Möglichkeiten innewohnen wie in der Welt der Kunst.

Astrid Kury

AUSSTELLUNG

GERTRAUD ENZINGER


ERÖFFNUNG
Donnerstag, 12.03.2015 18.00 Uhr

ORT
Akademie Graz
Schmiedgasse 40/I, A-8010 Graz
0316 / 837985-0
office@akademie-graz.at
www.akademie-graz.at

DAUER DER AUSSTELLUNG
13.03. – 10.04.2015

ÖFFNUNGSZEITEN
Mo – Do, 8 – 16 Uhr
Fr, 8 – 12 Uhr und nach Vereinbarung

unterstützt von:
Graz Kultur
Nachlese
KUNST VOR ORT
Ausstellung Anneliese Schrenk

Eröffnung: 07.10.2014, 18.00 Uhr
Ausstellungsdauer: 08.10. – 07.11.2014

Anneliese Schrenk arbeitet mit dem Material Leder, mit gegerbten Rinderhäuten, die die Spuren eines gelebten Lebens tragen. Sie spannt sie auf Keilrahmen oder sie gestaltet damit Objekte, geometrische Formen sowie Arrangements von Faltungen. Die damit stets präsenten Referenzen auf kunsthistorische Traditionen werden kon­ terkariert durch die Sensualität, die Gegenwärtigkeit und „Lebendigkeit“ des verwendeten Materials.


 

KUNST VOR ORT
Ausstellung Gustav Troger

Eröffnung: 12.11.2014
Ausstellungsdauer: 13.11. – 09.01.2014


Gustav Troger, geb. 1961 in Kohlschwarz/Stmk. Troger lebt und arbeitet seit 1989 in Los Angeles und Graz, er arbeitet(e) unter den Pseudonymen Clarence Anglin, Dr. Watson und Antonin Nalpas, the collector und Mirror­man. Auszeichnungen u.a.: 1987 Otto­-Mauer­-Preis, 1992 Staatsstipendium, 2002 Würdigungspreis des Landes Steiermark für bildende Kunst. 

Kunst vor Ort
Finissage Ausstellung Gustav Troger - comic abstraction

comic abstraction

AKA   DEMIE   G   RAZ   SCH   MIED   G   ASSE   40, 16. DEZ, 18.00

Imagine,
With a Little Help From My Friends,
The Child is Black, The Child is White,
Chase This Crazy Bold Hands out of Town,
Blowin in the Wind,


FINISCHAS®, WEIHNICHTSF   EIER,
CROWD + KN ÖDEL, GL   ÜH + W   EIN, H   ACH HUCKEN   K REUZ
HUCH   HA   KENKREUZ   , SPR   ACH   UN D   BILDFINDUNGSANSTRÄNGUNG


You’ve Got The Blues

Le couple d’Avignon celebrating and inaugurating

DA D  K   NU   DDLE       ST AND   ART  
The   B   lack   Living   CUB   IST   SCULPTURE

in memory of   RUH   DOLF   ST   EINER

Men in Black,

THANKS FOR COMING WE APPRECIATE

Musée d’Art Moderne, Dèpartment des Aigles, Section des figures DADA
BROT HEARS   BROTH EARS   B   ROT   HÖRT
© Reizmuster, trogermirrortravel

® Wort   Sp   ende, Heidi O

stuff members: Astrid Kury, Bob Dylan, Bob Marley, Dorothee Steinbauer, Elke Riedlberger, Franz Kafka, Gernot Rath, Gustav Troger, Heidi Oswald, Heinz Fischer, Ingrid Vien, Joe Cocker, John Lee Hooker, John Lennon, Johnny Cash, Joseph Beuys, Karl Valentin, Linus, Marcel Broodthaers, Michael Jackson, Michaela Reichart, Robert Crumb, Walter Titz.

get stuffed too, suggested black clothing

KUNST VOR ORT
AUSSTELLUNG ANDREAS VORMAYR

ANDREAS VORMAYR


Bodenobjekte
 

Lucio Fontana, Rosemarie Trockel oder Ai Weiwei, um drei bekannte Namen beispielhaft zu nennen, haben neue Zugänge zur keramischen Kunst eröffnet. Sie zeigten, dass die Möglichkeiten der Keramik praktisch unendlich sind – denken wir nur an die Plastizität des Tons, ein einfaches und natürliches Material mit vielfältiger Form- und Bearbeitbarkeit, ein Jahrtausende überdauerndes Speichermedium; ebenso die Vielfalt der Glasuren mit ihren farblichen, strukturellen, materiellen Qualitäten. Lucio Fontana wandte die Zerstörung als ikonoklastisches wie schöpferisches Prinzip, wie er es mit seinen berühmten aufgeschlitzten Bildern entwickelt hat, auch auf seine keramischen „Concetti spaziali“ (Raumkonzepte) an. Rosemarie Trockel folgte diesem konzeptuellen Weg Fontanas. Im scheinbar rücksichtslosen Experimentieren und Kombinieren abseits jeder handwerklichen Korrektheit setzt sie das Material so frei, dass niemand dabei mehr an keramische Arbeiten denkt und doch jeder seine Position zur Keramik überdenken muss. Da gibt es Arbeiten, die z.B. durch Abdrücke von Fleisch entstanden sind und massige, intensiv farbige Wandskulpturen bilden, minimalistische Objekte ebenso wie organisch-wuchernde Allusionen. Ai Weiwei bezieht sich auf die über viele Jahrhunderte erarbeitete Meisterschaft in der Keramik, wenn er eine wertvolle alt-chinesische Vase auf dem Boden zerschellen lässt; und ebenso, wenn er von einer traditionellen Porzellanmanufaktur unzählige Sonnenblumenkerne herstellen lässt. Mit diesen Performances und Installationen entwickelt er wirkmächtige ästhetische Szenarien, die Kritik am aktuellen politischen System in China zum Ausdruck bringen.
Obwohl der keramischen Kunst gerne der Vorwurf des Kunsthandwerklichen entgegen gebracht wird, ist doch die Auseinandersetzung mit Ton und Glasur eine kontinuierliche in der Kunstgeschichte, und das gilt auch für die zeitgenössische Kunst – ja es ist sogar ein regelrechter Trend festzustellen. Reizvoll für viele ist dabei die Tatsache, dass das keramische Objekt in seiner Herstellung immer auch dem Zufall unterworfen ist. Der Steuerung des Produktionsprozesses sind Grenzen gesetzt und so wird der Zufall zu einer willkommenen Möglichkeit der unerwarteten Transformation.

Andreas Vormayr studierte Keramik an der Meisterschule für Kunst und Gestaltung an der HTBLVA Ortweinschule Graz bei Irmgard Schaumberger. Andreas Vormayrs Bodenobjekte sind Form- und Oberflächenanalysen des Keramischen entgegen den Konventionen des Keramischen (was einige technische Herausforderungen mit sich bringt). Er greift das Motiv des Gefäßes auf, aber es sind dennoch abstrakte Formen, die Vormayr bewusst auf der Basis von industriellen keramischen Verarbeitungstechniken entwickelt. Er generiert so zum Beispiel an Schamotterohre erinnernde Basisformen, die er mit Ton und dick aufgetragenen Glasuren überarbeitet. Diese lassen dann im Brennvorgang Formen entstehen, die sich wie Natur verhalten, wuchernd und überquellend. Andreas Vormayr stellt seine Glasuren selbst her. Ziel seiner Experimente ist, dass die Glasuren im Brennvorgang gewissermaßen ein Eigenleben entwickeln. Die daraus entstehende plastisch-haptische Qualität der glasierten Oberflächen wird durch die Verwendung gedeckter Farben wie weiß, dunkelblau, grau oder schwarz noch betont.

Die nüchternen Ausgangsformen werden direkt aus der Strangpresse entwickelt bzw. sind es aus Platten aufgebaute geometrische Formen. Oder ein Rohr wird in Segmente zerschnitten, aus denen eine neue Hohlform aufgebaut wird, wobei die einzelnen Teile so zueinander versetzt sind, dass die Segmentierung formal dominant bleibt.
Ton ist ein perfekter Speicher. Ungebrannt ist er immer wieder verwendbar; wobei zu beachten ist, dass Ton ein „Gedächtnis“ hat, das heißt alle Formvorgänge werden im Material gespeichert. Wenn Ton gebrannt wird, kristallisiert die Form mit allen Informationen und es entsteht dadurch etwas Neues. Um an ein Neues, Anderes heranzukommen, ist aber auch eine Distanzierung vom vorhandenen Wissen erforderlich. Die technischen Herstellungsverfahren ermöglichen es Andreas Vormayr, neutrale Formen herzustellen. Kontrastierend dazu beruht die Entwicklung der selbst hergestellten Glasuren auf dem „Fehler“ als Gestaltungselement – schon eine einzige Blase wäre üblicherweise ein solcher. Andreas Vormayr legt es aber gerade darauf an, dass seine Glasuren im Brennvorgang aufkochen, damit die aufplatzenden Blasen unterschiedliche Strukturen bilden, die wie Schaum oder poröse Knochen oder wuchernde Bakterienkulturen wirken. Die Glasuren sind damit das dominierende plastische Gestaltungselement, sie geben dem Objekt seine endgültige Form und Ausdruckskraft. Präsentiert werden diese schweren Bodenobjekte als Reisende, in Begleitung ihres schützenden Gehäuses – schaumstoffgefütterte Transportboxen, die die Fragilität der massiven Formen vor Augen führen.

Akademie Graz
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STADTPLAN

 

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