10.06.2015 - 09.07.2015

KUNST VOR ORT

additiv - AUSSTELLUNG EDGAR SORGO

Edgar Sorgo,
geboren 1963 in Villach, studierte Grafik an der Universität für angewandte Kunst in Wien bei Oswald Oberhuber sowie Bühnengestaltung an der Universität für Musik und darstellende Kunst  in Graz und Architektur an der Technischen Universität Graz.
In den 1980er-Jahren widmete er sich der Malerei, in den 1990er-Jahren widmete er sich vorwiegend der Performance und seiner Tätigkeit als Bühnenbildner, wo er mit u.a. mit dem Dramatiker Wolfgang Bauer, aber auch mit Mitgliedern des "Actors Studio" in New York zusammen arbeitete. In jüngerer Zeit befasst er sich wieder verstärkt mit Malerei und Grafik sowie mit Objekten, mixed-installations und Szenografien, die oftmals soziale Inhalte haben.

 

Einzelausstellungen (Auswahl)

„RGB – Color“, Galerie Camilla Herrmann, Berlin-Mitte, 2012

Ausstellungsbeteiligungen (Auswahl)

Eisenerz... auf Draht, Eisenerz 2014
SVA – Social Venture Analyses, Verein RHIZOM, Graz, 2013
Sternchen, Werkstatt Graz, 2013
Ausstellung ist eine Ausstellung ist eine Ausstellung, Forum Stadtpark, Graz, 2013
art & tea, St. Andräkirche Graz, 2011
styria camp – zone der dysfunktionalität , mixed-installation, Zam Johnson Studio, Berlin-Kreuzberg, 2010 Hari‘s Garagen, Mariahilferstraße, Graz, 2009
Open for Me the Gates to Justice, konzertierte Ausstellung der Conference of European Justice and  Peace Commissions, Brüssel, 2008

 


 

Edgar Sorgo thematisiert in seinen „RGB-Color“-Zeichnungen den Wirklichkeitsbegriff der Informationsgesellschaft. Auf großem Format lässt er Bilder von Seilen und Knoten durch die Verdichtungen im Zeichnen entstehen, die sich im Wahrnehmen wieder in einzelne Linien auflösen. Dazu verwendet er drei Farben: Rot, Grün und Blau, die Grundfarben des RGB-Farbraums für die Darstellung auf Bildschirmen, der auf die Besonderheiten des menschlichen Wahrnehmungsapparates hin entwickelt wurde. Somit ist der eigentliche Bildträger erst die Vorstellung des Wahrnehmenden, wo sich die Farblichtsegmente zu Bildeindrücken formen. Sorgos RGB-Knoten hingegen sind konventionelle Farbpigmentlinien auf dem Bildträger Papier. Das Bilderstellungsverfahren ist dennoch beide Male additiv.

Welche Wirklichkeiten durch Medien generiert werden, war auch eine wichtige Frage für David Hockney, der sich u.a. für die künstlerischen Möglichkeiten des Kopiergeräts interessierte. Seine Frage war, und das gilt auch hier, wie die Geräte die Dinge „sehen“, das heißt, wie sie sich verändern, wenn sie etwa durch das Kopieren zum Bild werden, auf eine Fläche projiziert und in CMYK-Farbpunkte aufgelöst. Die drei Schreibstifte führt Sorgo beim Zeichnen gleichzeitig in der Hand. Die jeweilige Intensität der Farblinien bleibt dabei dem Zufall überlassen. Dadurch entsteht eine von der Logik des Zeichnens abgesetzte Segmentierung, ähnlich wie bei einem Tintenstrahldrucker. Mit der nicht-konturierenden, stark verflochtenen und durch die parallelen Farben mehrfach verschobenen Linienführung entsteht der Eindruck, dass sich das „richtige“ Bild erst im Auge herstellen wird – vielleicht durch den richtigen Blickwinkel, oder auch mithilfe einer 3D-Brille? Beim Versuch sie genauer zu fassen, lösen die Knoten sich auf in ihre krause Haarigkeit, ähnlich wie sich digitale Bilder in Pixel auflösen. Es gibt dieses eine, „richtige“ Bild bei Edgar Sorgo nicht. Jeder Eindruck addiert sich zur variablen Vielfalt des Gesehenen.
Edgar Sorgo erzählt, dass er in verschiedenen Medientransfers, aber auch in gleichsam gestisch-intuitiver Konzentration die Entwicklung der Verdichtungen der kreisförmigen Linien zu Knoten verfolgt – die komplexen Formen entstehen in einem Zug wie von selbst. Knotenkunde ist hier nicht das Thema, denn es handelt sich um eigenständige Erinnerungsbilder. Der Knoten ist ja selbst als Symbol zur Erinnerung bekannt. Allerdings, im Taschentuch macht ihn sich heute keiner mehr. Erinnerung, ja sogar die Notwendigkeit dazu, hat sich im digitalen Zeitalter total verändert. Erinnert wird vor allem anhand der ständig abrufbaren Informationen und Bilder, digital verfügbar in Datenwolken und sozialen Netzwerken. Gespeichert wird so viel wie nie. Aber was davon sollte eigentlich wieder gelöscht, vergessen werden, um das kulturelle Fundament für die Zukunft zu bauen? Die heutigen Navigationen im unermesslichen Internet vergleicht Sorgo mit dem Aufbruch ins Unbekannte in der Renaissance, der Zeit der großen Entdecker, der Entdeckung der Neuen Welt. Netscape Navigator und Internet Explorer hießen die ersten Webbrowser, mit denen das Internet erkundet werden konnte. Wie die Erforschung unbekannter Regionen und ihre Ausbeutung die Welt grundlegend verändert haben, so sind wir mit den digitalen Welten in ein unbekanntes Neues aufgebrochen, dessen Kolonialisierung bereits in vollem Gang ist.
Additiv sind also nicht nur die Methoden der Bilderstellung, sondern auch die zahlreichen Assoziationen – Bedeutungsfäden, die Sorgo lose in seine Zeichnungen einknüpft, bis hin zu Deleuzes Untersuchung vom Ein- und Ausdrehen bzw. Falten und Entfalten als metaphysischem Prinzip der Barockkunst. Durch die krausen Linien, in denen sich die verschlungenen Seile auf dem Weiß des Papiers realisieren, bleiben die Knoten im Wechselspiel von Auflösung und Verdichtung schwebend und unkonkret. Dem zeitlichen Prozess der Herstellung entspricht die Dauer der Wahrnehmung: die Reise durch den Bildraum, der Linienkreisel entlang, und die Reise im Assoziationsraum, der Vielzahl inhaltlicher Anknüpfungspunkte entsprechend. In diesen Bildern ist nichts vorgegeben, aber vieles denkmöglich. Denn Knoten sind eine verwickelte Angelegenheit. Ihre Unentwirrbarkeit ist legendär.

AUSSTELLUNG

additiv - EDGAR SORGO


ERÖFFNUNG
Donnerstag, 11.06.2015 18.00 Uhr
Um Voranmeldung wird gebeten!

 

Es lesen:
Clemens Setz und Gabriele Petricek


ORT
Akademie Graz
Schmiedgasse 40/I, A-8010 Graz
0316 / 837985-0
office@akademie-graz.at
www.akademie-graz.at

DAUER DER AUSSTELLUNG
11.06. – 10.07.2015

ÖFFNUNGSZEITEN
Mo – Do, 8 – 16 Uhr
Fr, 8 – 12 Uhr und nach Vereinbarung

 

unterstützt von:
Nachlese
Kunst vor Ort
Finissage Ausstellung Gustav Troger - comic abstraction

comic abstraction

AKA   DEMIE   G   RAZ   SCH   MIED   G   ASSE   40, 16. DEZ, 18.00

Imagine,
With a Little Help From My Friends,
The Child is Black, The Child is White,
Chase This Crazy Bold Hands out of Town,
Blowin in the Wind,


FINISCHAS®, WEIHNICHTSF   EIER,
CROWD + KN ÖDEL, GL   ÜH + W   EIN, H   ACH HUCKEN   K REUZ
HUCH   HA   KENKREUZ   , SPR   ACH   UN D   BILDFINDUNGSANSTRÄNGUNG


You’ve Got The Blues

Le couple d’Avignon celebrating and inaugurating

DA D  K   NU   DDLE       ST AND   ART  
The   B   lack   Living   CUB   IST   SCULPTURE

in memory of   RUH   DOLF   ST   EINER

Men in Black,

THANKS FOR COMING WE APPRECIATE

Musée d’Art Moderne, Dèpartment des Aigles, Section des figures DADA
BROT HEARS   BROTH EARS   B   ROT   HÖRT
© Reizmuster, trogermirrortravel

® Wort   Sp   ende, Heidi O

stuff members: Astrid Kury, Bob Dylan, Bob Marley, Dorothee Steinbauer, Elke Riedlberger, Franz Kafka, Gernot Rath, Gustav Troger, Heidi Oswald, Heinz Fischer, Ingrid Vien, Joe Cocker, John Lee Hooker, John Lennon, Johnny Cash, Joseph Beuys, Karl Valentin, Linus, Marcel Broodthaers, Michael Jackson, Michaela Reichart, Robert Crumb, Walter Titz.

get stuffed too, suggested black clothing

KUNST VOR ORT
AUSSTELLUNG ANDREAS VORMAYR

ANDREAS VORMAYR


Bodenobjekte
 

Lucio Fontana, Rosemarie Trockel oder Ai Weiwei, um drei bekannte Namen beispielhaft zu nennen, haben neue Zugänge zur keramischen Kunst eröffnet. Sie zeigten, dass die Möglichkeiten der Keramik praktisch unendlich sind – denken wir nur an die Plastizität des Tons, ein einfaches und natürliches Material mit vielfältiger Form- und Bearbeitbarkeit, ein Jahrtausende überdauerndes Speichermedium; ebenso die Vielfalt der Glasuren mit ihren farblichen, strukturellen, materiellen Qualitäten. Lucio Fontana wandte die Zerstörung als ikonoklastisches wie schöpferisches Prinzip, wie er es mit seinen berühmten aufgeschlitzten Bildern entwickelt hat, auch auf seine keramischen „Concetti spaziali“ (Raumkonzepte) an. Rosemarie Trockel folgte diesem konzeptuellen Weg Fontanas. Im scheinbar rücksichtslosen Experimentieren und Kombinieren abseits jeder handwerklichen Korrektheit setzt sie das Material so frei, dass niemand dabei mehr an keramische Arbeiten denkt und doch jeder seine Position zur Keramik überdenken muss. Da gibt es Arbeiten, die z.B. durch Abdrücke von Fleisch entstanden sind und massige, intensiv farbige Wandskulpturen bilden, minimalistische Objekte ebenso wie organisch-wuchernde Allusionen. Ai Weiwei bezieht sich auf die über viele Jahrhunderte erarbeitete Meisterschaft in der Keramik, wenn er eine wertvolle alt-chinesische Vase auf dem Boden zerschellen lässt; und ebenso, wenn er von einer traditionellen Porzellanmanufaktur unzählige Sonnenblumenkerne herstellen lässt. Mit diesen Performances und Installationen entwickelt er wirkmächtige ästhetische Szenarien, die Kritik am aktuellen politischen System in China zum Ausdruck bringen.
Obwohl der keramischen Kunst gerne der Vorwurf des Kunsthandwerklichen entgegen gebracht wird, ist doch die Auseinandersetzung mit Ton und Glasur eine kontinuierliche in der Kunstgeschichte, und das gilt auch für die zeitgenössische Kunst – ja es ist sogar ein regelrechter Trend festzustellen. Reizvoll für viele ist dabei die Tatsache, dass das keramische Objekt in seiner Herstellung immer auch dem Zufall unterworfen ist. Der Steuerung des Produktionsprozesses sind Grenzen gesetzt und so wird der Zufall zu einer willkommenen Möglichkeit der unerwarteten Transformation.

Andreas Vormayr studierte Keramik an der Meisterschule für Kunst und Gestaltung an der HTBLVA Ortweinschule Graz bei Irmgard Schaumberger. Andreas Vormayrs Bodenobjekte sind Form- und Oberflächenanalysen des Keramischen entgegen den Konventionen des Keramischen (was einige technische Herausforderungen mit sich bringt). Er greift das Motiv des Gefäßes auf, aber es sind dennoch abstrakte Formen, die Vormayr bewusst auf der Basis von industriellen keramischen Verarbeitungstechniken entwickelt. Er generiert so zum Beispiel an Schamotterohre erinnernde Basisformen, die er mit Ton und dick aufgetragenen Glasuren überarbeitet. Diese lassen dann im Brennvorgang Formen entstehen, die sich wie Natur verhalten, wuchernd und überquellend. Andreas Vormayr stellt seine Glasuren selbst her. Ziel seiner Experimente ist, dass die Glasuren im Brennvorgang gewissermaßen ein Eigenleben entwickeln. Die daraus entstehende plastisch-haptische Qualität der glasierten Oberflächen wird durch die Verwendung gedeckter Farben wie weiß, dunkelblau, grau oder schwarz noch betont.

Die nüchternen Ausgangsformen werden direkt aus der Strangpresse entwickelt bzw. sind es aus Platten aufgebaute geometrische Formen. Oder ein Rohr wird in Segmente zerschnitten, aus denen eine neue Hohlform aufgebaut wird, wobei die einzelnen Teile so zueinander versetzt sind, dass die Segmentierung formal dominant bleibt.
Ton ist ein perfekter Speicher. Ungebrannt ist er immer wieder verwendbar; wobei zu beachten ist, dass Ton ein „Gedächtnis“ hat, das heißt alle Formvorgänge werden im Material gespeichert. Wenn Ton gebrannt wird, kristallisiert die Form mit allen Informationen und es entsteht dadurch etwas Neues. Um an ein Neues, Anderes heranzukommen, ist aber auch eine Distanzierung vom vorhandenen Wissen erforderlich. Die technischen Herstellungsverfahren ermöglichen es Andreas Vormayr, neutrale Formen herzustellen. Kontrastierend dazu beruht die Entwicklung der selbst hergestellten Glasuren auf dem „Fehler“ als Gestaltungselement – schon eine einzige Blase wäre üblicherweise ein solcher. Andreas Vormayr legt es aber gerade darauf an, dass seine Glasuren im Brennvorgang aufkochen, damit die aufplatzenden Blasen unterschiedliche Strukturen bilden, die wie Schaum oder poröse Knochen oder wuchernde Bakterienkulturen wirken. Die Glasuren sind damit das dominierende plastische Gestaltungselement, sie geben dem Objekt seine endgültige Form und Ausdruckskraft. Präsentiert werden diese schweren Bodenobjekte als Reisende, in Begleitung ihres schützenden Gehäuses – schaumstoffgefütterte Transportboxen, die die Fragilität der massiven Formen vor Augen führen.

KUNST VOR ORT
AUSSTELLUNG GERTRAUD ENZINGER

GERTRAUD ENZINGER
lebt und arbeitet in Gleisdorf. Sie studierte Sprachen an der Universität Graz und am Columbia College Missouri, USA. 2014 absolvierte sie die Meisterklasse für Bildhauerei an der Ortweinschule bei Markus Wilfling. Sie arbeitet in den Bereichen Objekt, Installation und Fotografie. Materialien, naturfremde wie natürliche, lässt sie den Kontext wechseln, ihre Materialität, ihre Form und ihre Oberflächen werden zum Ausgangspunkt von bildhauerischer Eingriffen, verwandeln sich in Haut oder Körper. Licht und umgebender Raum spielen bei ihren installativen Inszenierungen eine zentrale Rolle.

 

AUSSTELLUNGEN (Auswahl)
„Small Pieces“, Galerie Lendl, Graz, 2014; „Übungsfahrt“, kunstlos, Kirchberg, 2014/2005; Galerie 44QM, Hartberg, 2013; 4th Triennial of Textile Art, Szombathely (H), 2012/2009; „10days10artists” / SLOW! Zeit als gestaltbare Dimension, Hartberg, 2012; „Museum Frauen Circus: unterwegs“, Pavelhaus, Bad Radkersburg, 2012; „Leben: Die Praxis der Zuversicht“, kunstost, Museum im Rathaus, Gleisdorf, 2012; „Vanish/Survive“, Art Gallery Arka, Vilnius (LT), 2011; Palazzo Mocenigo, Venedig (I), 2011/2007; Salon de l`Hotel de Ville, Montrouge, Paris (F), 2011/2007/2005; „The Reverse and the Front Side“, Galèria SVU, Bratislava (SK), 2011; „Miniartextil”, Como (I), 2010/2006/2004; „Participation Nature“, Pöllau, 2010; Höhler-Biennale, Gera (D), 2009; „Lichtspiele”, HWK Hannover (D), 2009; „Bruch/Fraction“, IGW Engi, Textilforum Schweiz, 2008; „Oststeirische Netzkultur”, Installation im öffentlichen Raum, Weiz, 2008.

AUSZEICHNUNGEN
Preis der Ungarischen Akademie der Künste, 4th Triennal of Textile Art, Szombathely, (2012); Meisterklassen-Stipendium der Akademie Graz, (2014).



 

KUNST VOR ORT
AUSSTELLUNG MARIANNE LANG

Marianne Lang, geb. 1979 in Graz, setzt sich mit der Durchdringung von Räumen auseinander, fiktiven, realen, eingebildeten und erinnerten. Bevorzugt arbeitet sie im Bereich der Zeichnung, die dann auch in Rauminstallationen ausgreifen. Sie studierte an der Universität Mozarteum Salzburg Malerei und neue Medien bei Dieter Kleinpeter. Zahlreiche Preise und Stipendium, u.a. Staatsstipendium für bildende kunst 2010 oder Euregio Kunstpreis 2008. Einzelausstellungen in der Albertina in Wien (2013), im Kunstverein Salzburg und der KHG Graz (2011), im Architekturforum Oberösterreich und im Stadtmuseum Graz/Akademie Graz (2010).

 


 

 

Akademie Graz
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STADTPLAN

 

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