06.04.2016 - 06.04.2016

FRÜHLINGSVORLESUNG

NAJEM WALI - Im Kopf des Terrors. Wieso tötet der Mensch?

Wieso aber tötet der Mensch?
 

Warum ist einer ein Terrorist? Wieso tötet der Mensch überhaupt? Oder: Warum tötet jemand Menschen, die er gar nicht kennt? In der Literatur wurde versucht, diese Fragen zu klären, in Dostojewskis Dämonen beispielweise, oder auch in Jan Paul Sartres Herostrat. In Zeiten des IS Terror ist der Blick in den Kopf solcher Protagonisten interessant, weil die Täter – in der Literatur wie im realen Leben – meistens ohne jede politische oder religiöse Motivation auskommen, selbst wenn sie das Gegenteil behaupten. Was sie antreibt, ist die Faszination der Gewalt, das Gefühl absoluter Macht. Es geht ihnen darum, in den modernen Gesellschaften tödliche Angst zu verbreiten und das soziale Fundament des Vertrauens zu zerstören.


In den zwei Essays wird sich Najem Wali mit diesen Fragen beschäftigen und auch zeigen, mit welcher Kälte manche töten, als ob Morden reine technische Sache wäre.

 


 

Najem Wali

Offiziell wurde Najem Wali wie Millionen andere Iraker am 1. Juli 1956 geboren. Richtig ist, dass er am 20. Oktober 1956 im Süden des Irak zur Welt kam. Diese Verdrehung von Fakten ist nur eine von vielen surrealen Geschichten aus dem Land von tausendundeiner Diktatur und tausendundmehr Kriegen. Nachdem Wali sein Abitur in Basra und Amara (sein offizieller Geburtsort übrigens) abgeschlossen hatte, begann er an der Universität Bagdad ein Studium der deutschen Literatur. Nach dem Universitätsabschluss im Jahr 1978 wurde er zum Militär eingezogen. Während des Militärdiensts  wurde er als „politisch Andersdenkender“ und Kriegsgegner inhaftiert und gefoltert. Er kam nur durch ein Wunder frei und setzte seinen Dienst in der Armee bis zu seiner Entlassung im August 1980 fort.
Kurz nach Ausbruch des irakisch-iranischen Krieges am 22. September 1980 wurde sein Jahrgang erneut zum Militärdienst einberufen. Wali wollte nicht in den Krieg ziehen. Er entschied, das Land zu verlassen. Ein Ausreisevisum zu bekommen war nicht einfach, allein schon, weil sein Name auf der Liste der Ausreiseverbote stand. Durch Bestechung und mit Hilfe von Bekannten konnte er das Land dann doch noch illegal verlassen.
Der 8. November 1980 ist der Tag seiner Ankunft in der Bundesrepublik Deutschland. In Hamburg setzte er sein Studium der Germanistik fort. 1987 zog Najem Wali nach Madrid, um Spanische Literatur zu studieren. 1990 kehrte er nach Hamburg zurück. Es folgten weitere Studienaufenthalte im Ausland, so in Oxford und Florenz.
Najem Wali fing früh mit dem literarischen Schreiben an. Seine erste Erzählung veröffentlichte er bereits im Alter von 16 Jahren. In seiner Studentenzeit arbeitete er für Radio Bagdad und eine wöchentlichen Zeitschrift. Heute arbeitet er als freier Autor und Journalist, Kulturkorrespondent der bedeutendsten arabischen Tageszeitung Al Hayat. Er schreibt regelmäßig für verschiedene renommierte deutschsprachige Presse, u.a. für die „Süddeutsche Zeitung“, die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“, die „Neue Zürcher Zeitung“, die TAZ und den SPIEGEL.
Najem Wali zählt in der arabischen Welt zu den führenden Schriftstellern der jüngeren Generation. Seine Bücher wurden in mehrere Sprachen übersetzt. In allen seinen Romanen und Erzählungen beschäftigt sich Najem Wali mit seiner eigenen Vergangenheit und die Geschichte seines Landes. Dabei scheut er sich nicht, brisante Themen wie z.B. die Doppelmoral um die Jungfräulichkeit in der arabischen Welt anzugehen (Roman Die Reise nach Tell al-Lahm auf, Hanser Verlag 2004). Das Buch wurde ein Bestseller und mehrmals neu aufgelegt. Insbesondere in den Golfstaaten, Saudi Arabien, im Irak und in Ägypten wird es von jungen Mädchen als Kultroman weitergereicht.
Wali war einer der ersten prominenten Iraker, der nach Israel reiste, um dort für die Verständigung zwischen Israelis und Arabern zu werben. Seinen jüngsten Roman „Bagdad Marlboro“ (Hanser Verlag 2014) stellte die Literaturkritik auf eine Stufe mit Erich Maria Remarques Antikriegsroman „Im Westen nichts Neues“. Für „Bagdad Marlboro“ erhielt Najem Wali den Bruno Kreisky Preis für das politische Buch 2014. Zuletzt erschien sein Buch Bagdad. Erinnerungen an eine Weltstadt (2015).

Mittwoch, 06. April 2016
Beginn: 20.00 Uhr
Literaturhaus Graz, Elisabethstraße 30

 

Lesung und anschließend Gesprach mit Journalist Stefan Winkler

 

Anfragen und Kartenreservierungen:

Akademie Graz
Elke Riedlberger
0316 837985-14
elke.riedlberger@akademie-graz.at

 

Eine Veranstaltung der Akademie Graz und Residenz Verlag in Kooperation mit Literaturhaus Graz

 

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