22.11.2017 - 29.11.2017

ZEITGEFÜGE

AUSSTELLUNG JUDITH SAUPPER


Heute: nicht mehr


Das Projekt Heute: nicht mehr beschäftigt sich mit dem Thema Zeit und ihre Speicher- und Darstellungsformen. Im Alltag erleben wir Zeit und Raum als getrennt von einander existierende Maßeinheiten. Will man die körperlose Zeit festhalten benötigt man zu deren Visualisierung eine Form; in diesem Fall den Raum und die Materie. Die Zeit wird in ein anderes Medium (Zeichnung, Fotografie, Objekt) übertragen und ihre Eigenschaften werden darstellbar: Zeit als nicht linearer Prozess, sondern als räumliches Geflecht mit Sprüngen und Rissen, Falten und Dehnungen. 
Unsere subjektive Wahrnehmung macht es uns möglich die eigentlich scharf voneinander getrennten Begriffe ‚Vergangenheit‘, ‚Gegenwart‘ und ‚Zukunft‘ zu einer neuen Zeitwahrnehmung zusammen zu fassen; wir erleben eine Gleichzeitigkeit dieser drei Zeitformen.
 Rüdiger Safranski schreibt in seinem Buch Zeit: Ist die Zeit dieses Jetzt der Gegenwart oder ist sie das, wohin sie ent- schwindet? Man kommt zu dem paradoxen Ergebnis, dass die Zeit in der Zukunft noch nicht und in der Vergangenheit nicht mehr ist, und dass sie als Gegenwart auf einen fast ausdehnungslosen Moment, das Jetzt, reduziert ist. (Rüdiger Safranski, Zeit. Carl Hanser Verlag: München, 2015) Was aber wenn die Zeit nur eine Idee ist? Ihre Überwindung nur eine ungeheure Kraftanstrengung bedeuten würde?
Das Projekt Heute: nicht mehr teilt sich in 3 Werkreihen, die sich inhaltlich mit der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft auseinandersetzen. In den Räumlichkeiten der Akademie Graz werden die Gegenwart und die Vergangenheit gezeigt.
 

Zeitraffersternbild (Gegenwart)

Die Reihe Zeitraffersternbild versucht das Geflecht der Gleichzeitigkeit in der subjektiven Zeitwahrnehmung festzuhalten. In den Collagen werden jeweils ein Stern aus der Serie Mittagssterne von Olaf Nicolai eingearbeitet (siehe: http:// shop.monopol-magazin.de/edition-nr-129-olaf-nicolai.html[Zugriff am: 15.04.2016]).
 Der lange Weg des Menkalinan wird in zeichnerischer Form verdichtet. Es wird versucht, das Zeitvergehen in der Gegenwart darzustellen: Das nicht fassbare zwischen dem ‚noch nicht‘ der Zukunft und dem ‚nicht mehr‘ der Vergangenheit (Augustinus). Die Sterne (Menkalinan, Nembus, Nekkar, Al Kaphrah) ragen aus der Vergangenheit in die Gegenwart hinein und bilden weiter eine Konstante in der Zukunft. Die subjektiven Risse, Überschneidungen, blinden Flecken der Gegenwartswahrnehmung werden in den Collagen konkretisiert.

 

unterstützt von:
Nachlese
Ausstellung Andrea Sadjak
DINGE DER LIEBE

Andrea Sadjak beschäftigt sich mit dem Spannungsfeld zwischen Individuum und Gesellschaft, menschlicher Innenwelt und Außenwelt. Der Ton - als eines der ältesten Materialien - wird dabei zum Speichermedium und dient als Archiv individueller Geschichten. Ausgangspunkt ihrer Installationen sind romantische Postkarten, die sich ihre Großeltern geschrieben haben. Sie entwickelt daraus unterschiedliche visuelle und haptische Erzählungen zu Liebe und Berührung.

 

 


 

Ausstellung Friederike Schwab
waiting clothes

Friederike Schwab ist eine jener seltenen Persönlichkeiten, die sowohl im Gebiet der bildenden Kunst als auch der Literatur zu Hause sind und sich gleichwertig beider Formen des Ausdrucks bedienen. 

Die Erforschung der Kraft der Farbe bestimmt ihr Oeuvre. Zum Thema Krise passt außer den Bildern mit dem Titel "waiting clothes" eine kleine feine in monochromem Weiß gehaltene Arbeit – Farbigkeit ex negativo. Es ist ein Kästchen, das die „Die Kleider der Woche“ in Miniaturausführung birgt. Auf einem Preisschild sind den Kleidungsstücken Emotionen zugewiesen. Trage ich heute Liebe, Neid oder Gelassenheit? Sich seiner Gefühle bewusst zu werden, ist das Thema der Gegenwart: Hass als berechtigte Wut ausleben. Zornig und rücksichtslos sein dürfen. Die Liebe lächerlich finden. Gefühle kommen in den Rang politischer Handlungen. In diesem Sinn, so die Künstlerin, umfasse „Die Woche“ metaphorisch die Momente des Lebens: Selbstausdruck im Sekundentakt. Jeder Moment erfordert eine Entscheidung, wer wir sind. Erfordert es, eine Haltung anzunehmen oder eine Maskierung zu bevorzugen. Freiheit wählen oder Verantwortung ablehnen. Das Kästchen ähnelt täuschend einem Kinderspiel. Die in Gips getauchten Kleidchen wirken wie bleiche Häute, anziehend fremdartig und abschreckend körperlich. Auch das Kästchen selbst ist wesenhaft und kann sich zur Welt hin abschließen. Weder in uns noch in andere können wir so hineinschauen wie in dieses Kästchen. Wir wissen nur zum Teil, welche schönen und schrecklichen Möglichkeiten in uns verborgen sind. Freiheit ist unsere Hoffnung. Kunstbetrachtung öffnet dafür ein Zeitfenster.

 


 

SCHWÄRMEN + VERNETZEN
swarming + networking

Die transdisziplinäre Kunstausstellung untersucht die Möglichkeiten grenzüberschreitenden Arbeitens in der Kunst. Das Projekt ist eine Zusammenarbeit der Autorin Gertrude Grossegger, der Installationskünstlerin und Molekularbiologin Nayarí Castillo und dem Klangkünstler Hanns Holger Rutz. Ziel ist die Entwicklung neuer Verbindungen zwischen Text, Raum und Klang. Dazu haben sich die drei KünstlerInnen experimentell mit dynamischen Systemen des Schwärmens und Vernetzens in der Natur auseinandergesetzt und beziehen sich dabei auf die wissenschaftliche Erforschung der Schwarmintelligenz.

The transdisciplinary art exhibition explores the possibilities of boundary crossing in art. The project is a collaboration between writer Gertrude Grossegger, installation arts and trained molecular biologist Nayarí Castillo, and sound artist Hanns Holger Rutz. In order to make novel connections between text, space and sounds possible, the three artists put themselves into an experimental arrangement, topically structured around dynamical systems of swarming and networking, originating from nature. The project incorporates scientific research on swarm intelligence.

 

Eine Kooperation von / a cooperation by:
Akademie Graz, LICHTUNGEN, Artlife Lab KFU Graz, Algorithms that Matter (FWF AR 403) und Stift St. Lambrecht.

 

SCHWÄRMEN UND VERNETZEN
KünstlerInnengespräch

Am Dienstag 19.09. ist zum letzten Mal die Ausstellung 'Schwärmen+Vernetzen' in der Akademie Graz zu sehen und zu hören. Um 15:00 Uhr wird es dazu ein KünstlerInnengespräch und eine Lesung von 'Laufende Rhythmen' von Gertrude Grossegger geben.


Neben den drei Holobionten dürfen wir dort als weitere Gäste begrüßen: Asya Ilgün --Architektin und derzeitig Research Fellow am Artificial Life Lab der
Karl-Franzens-Universität Graz. Sie erforscht die Übergänge und Interaktionen zwischen Technologie/Architektur und Natur anhand von 3D-gedruckten Bienenstöcken. David Pirrò -- Komponist und ausgebildeter Physiker, Institut für Elektronische Musik und Akustik der KUG Graz. Er forscht an dynamischen und physikalisch-modellierten Systemen und untersucht im Rahmen des Projektes 'Algorithms that Matter' gemeinsam mit Hanns Holger Rutz die experimentellen und materiellen Bedingungen algorithmischer Klänge.

Moderation: Astrid Kury (Akademie Graz).

Akademie Graz
Neutorgasse 42, 8010 Graz
STADTPLAN

 

Tel: (0043) 0316 83 79 85 - 0
office@akademie-graz.at
www.akademie-graz.at