EUROPA – darf man dieses Feld nur den Populisten mit ihrem schamlosen Ausnützen der Ängste des kleinen Mannes und der kleinen Frau, den Kleingärtnern rund um ihre eigene Haustür (dazu zählen auch Parteien) oder den Reiseveranstaltern für Billigflüge überlassen? Sind diejenigen, die „Europa“ als das große Friedensprojekt in den Mund nehmen, nur mehr jämmerliche Moralisten, denen der Strom der Zeit längst entglitten ist? Immer noch fehlt ein Forum für eine qualitätvolle Kritik am Projekt Europa – in einer kritischen Phase: Steht das Projekt Europa kurz vor seinem Scheitern? Oder doch nur an einem Wendepunkt?
Mit der Reihe „IM BRENNPUNKT – Europa“, eine Kooperation von Akademie Graz, Kulturzentrum bei den Minoriten und Urania für Steiermark, fokussieren wir ab Herbst 2009 eine schon lange bestehende Essay- und Vortragsreihe auf den Brennpunkt Europa. Unterschiedliche und offene Debatten sollen angestoßen werden. Zum Beispiel: Was die Wirtschaftskrise an wichtigen Fragen aufgeworfen hat. Was es mit dem europäischen Wertekanon denn auf sich hat. Warum wir uns denn das Abendland nennen. Was wir uns vom amerikanischen Traum abschauen könnten. Warum wir die Inder in ihrem Stolz auf die größte Demokratie beneiden könnten. Und was bei diesem Blick über den Zaun das europäische Handeln und Bewusstsein kennzeichnen könnte – nicht zu letzt auch in den brennenden Fragen, die über die Festung Europa hinausgehen – ökologische Krisen, Migration, Ressourcengerechtigkeit, Fundamentalismus und Intoleranz.
Die vergangenen Wahlen haben einen Rechtsruck dokumentiert, der schon seit Längerem in ganz Europa spürbar ist. Ausländerfeindlichkeit und Antisemitismus werden immer manifester. Was ist passiert, warum und wohin steuert Europa?
„IM BRENNPUNKT – Europa“: ein Forum für eine kritische Debatte und engagierte gesellschaftspolitische Teilhabe. Die Vorträge und Essays sind auf www.im-brennpunkt-europa.at nachzulesen.
Otto Kallscheuer, Die Zukunft des Abendlandes
Fest steht, dass sich Europäer viel eher über ihre Ängste verständigen können als auf eine gemeinsame Identität. Ein souveränes Machtzentrum können die vereinigten europäischen Staaten bis heute nicht vorweisen. Kein Vergleich mit der transatlantischen Bruder- und Supermacht im Westen. Doch dies, so belegen Otto Kallscheuers Essays zu den kulturellen und religiösen Traditionen des Abendlandes, muss kein Standortnachteil sein. Pluralismus und Multilateralismus sind schließlich Tugenden, die wir im neuen Jahrtausend noch brauchen werden. Nicht nur in Europa.
Vortrags- und Essayreihe in Kooperation von Akademie Graz, Minoriten Kultur Graz und Urania für Steiermark
Univ.-Prof. Dr. Otto Kallscheuer