INSIDE-OUTSIDE: Negative wie positive Rassismen und die Erfahrung der Ausgrenzung sind das Thema. Renommierte Roma- und Nicht Roma-KünstlerInnen aus verschiedenen Ländern erarbeiten dazu künstlerische Positionen. Textpassagen aus der Literatur der Roma zum Thema sind ebenfalls Teil der Ausstellung.
Die Überschreitung von Gattungsgrenzen und die Arbeit in neuen künstlerischen Genres, die Roma in den letzten Jahrzehnten für sich entdeckt haben, sind der Hintergrund des Ausstellungskonzepts. Gleichzeitig sind die teilnehmenden KünstlerInnen so etwas wie „role models“. Ihre Biografien erzählen exemplarisch Strategien, wie man sich aus der Situation der Ausgrenzung heraus Platz schaffen kann, ohne der primären Zugehörigkeit verlustig zu gehen. Solche Grammatiken des Zusammenlebens in Vielfalt zu erlernen, ist eine wesentliche Herausforderung der Gegenwart für uns alle.
Damian Le Bas (*1963 in Sheffield, UK), benützte Malerei und Zeichnung in seiner schwierigen Jugend als Flucht in eine farbenreiche Welt der Imagination. Er studierte am Royal College of Art, London und am West Sussex College of Art & Design, Worthing, West Sussex. Als Mitglied der irischen Traveller Community hat ihn die Perspektive des Außenseiters geprägt. Die alltägliche Ausgrenzung bis hin zur Vernichtung der Roma in Europa ist das zentrale Thema seiner Arbeiten. Er arbeitet vor allem in farbigen grafischen Techniken und Collagen, das sind v.a. überarbeitete Kartografien. Ausstellungen u.a. in London, Berlin, Brüssel, München, Hamburg, Prag Nashville, Alberquerque, Portland, Los Angeles, Dublin, Baltimore, Chicago, New York und Venedig.
Delaine Le Bas (*1965 in Worthing, UK) studierte Kunst am West Sussex College of Art and Design und an der St. Martins School of Art, London. Ihre Arbeiten waren im 2007 Roma-Pavillon „Paradise Lost” der Biennale von Venedig zu sehen. Sie ist eine international sehr gefragte Künstlerin, die sich mit dem Thema der Ausgrenzung auseinandersetzt, Ausstellungen u.a. in Prag, Linz, Turin, Berlin, Bergen, London, Dublin, Glasgow, Portland, Baltimore, St. Louis, Los Angeles und Nashville. Delaine Le Bas zeichnet, näht, stickt und stellt kleine Puppen, Assemblagen wie auch raumgreifende Installationen her. In der kritischen Verarbeitung populärer Motive und Ikonen (wie der britischen Flagge, Disneycharaktere etc...) versucht sie Bedeutungswechsel zu schaffen und gegen eingefahrene Stereotypen anzukämpfen.
Gabi Jiménez (*1964 in Paris). Jiménez studierte angewandte und grafische Kunst an der École “Rue Madame“ Paris und arbeitete mehrere Jahre im Bereich von Werbung, Marketing und Design. Er entwarf das Musikmagazin „La Corde de Nylon“ (Gypsy Music) und gab Konzerte als Flamenco-Gitarrist.In seinen stark stilisierenden Arbeiten thematisiert er sein Rom-Sein und die verschiedenen Elemente der traditionellen Roma-Kultur ebensowie der akutellen Lebensumstände der Roma in symbolischer Form. Auch die Farbe hat große symbolische Bedeutung in seinen Gemälden, digitalen Arbeiten, Performances und Installationen. Er gründete außerdem 2006 die Vereinigung „Romani Art“ zur Förderung kultureller Initiativen der Roma und Traveller. Ausstellungen u.a. in Lyon, Paris, Lille, Bessancourt, Taverny, Dijon und Venedig.
Dušan Ristić (*1970 in Valjevo, Serbia), lebt in San Francisco, USA. Ristić experimentiert in seine Installationen mit verschiedenen Techniken (Fundobjekten, Fotos und Land Art) und Materialien (Ton, Wax, Karton, Licht), aber auch traditionelle künstlerische Techniken (Ölmalerei) spielen für ihn eine Rolle. Er hat an der Fakultät für Bildende Kunst der Universität Belgrad studiert. Ausstellungen in Osteuropa und den USA. Dušan Ristić gründete u.a. Amalipen Romani community online (www.amalipen.net); Romani Crisis Network; Amala Summer School for Romani Culture; die internationale Roma-Künstergruppe “G” zur Förderung von Roma-Kunst; Mitgründer und -performer der Band KAL (Violine und Vocals).
Roswitha Weingrill (*1984 in Graz, lebt und arbeitet in Wien), studierte an der Universität für Angewandte Kunst, Wien bei Erwin Wurm, Barbara Putz-Plecko und James Skone. In vielfältigen formalen Zugängen – Zeichnung, Video, Installationen und partizipatorische Kunstprojekte – beschäftigt sich Weingrill mit den individuellen Lebenssituationen von Menschen, insbesondere in den existentiellen Notlagen von Armut, Flucht und Migration. Mit überraschenden kreativen Volten und feinem Gespür vermag sie in diesen schwierigen Themenbereichen Bewusstsein zu schaffen, ohne auf die Freude an der Kunst und am Leben zu vergessen. Ausstellungen u.a. in Wien, Ulft, Antwerpen, Passau, Graz, Innsbruck.
Alfred Ullrich (*1948 in Schwabmünchen), lebt und arbeitet in Dachau. In Installationen, abstrakten Gemälden und vor allem mit druckgrafischen
Techniken (Kaltnadelradierung und Aquatinta) thematisiert Ullrich in seiner Kunst die Kultur der Roma und Sinti und das ihnen zugefügte Leid. Unter anderem illustriert er mit seinen Grafikzyklen Romane und Gedichte der Roma-Literatur, so zum Beispiel Die Ursitory von Matéo Maximoff. Seit 1984 Ausstellungsbeteiligungen in Europa und Übersee, Ankäufe für öffentliche Sammlungen in Berlin, Salzburg, Cambrigde MA, Brünn, Dachau u.a.
Die Videokünstlerin Tamara Moyzes (IL, CZ) wurde 1975 in Bratislava geboren, sie lebt und arbeitet in Prag. Sie studierte am Institute of Arts Avni in Tel Aviv, Israel, an der Academy Bezalel in Jerusalem, an der Akademie für bildende Kunst und Design in Bratislava und Neue Medien an der AVU in Prag. Sie war Kuratorin an der NOD Gallery in Prag. Für Tamara Moyzes ist Video ein taktisches und politisches Werkzeug. Die Menschen, die in ihren fiktiven Dokumentationen gezeigt werden, sind keine Schauspieler, ihre künstlerische „Rolle“ verstärkt und vervollständigt ihre Stellung in der Wirklichkeit. In der Reflektion aktueller gesellschaftlicher Auseinandersetzungen blendet Moyzes dokumentarische, pathetische und humoristische Szenen ineinander. Dieses parodistische Element verschärft die Situationen, in einer für uns nicht leicht verdaulichen Form. Ausstellungen u.a. in Prag, Bratislava, Berlin, Bangkok, Tel Aviv, London u.a. www.tamaramoyzes.info
Nalan Yırtmaç (geb. 1969 in Istanbul) studierte Malerei an der Mimar Sinan Universität in Istanbul und ist Mitglied der Künstlergruppe Hafriyat. Nalan Yırtmaç formuliert ihre scharfsinnigen Wahrnehmungen, der Schnelllebigkeit und Kurzatmigkeit der Großstadt entsprechend, unmittelbar, mit einfachen Materialien und Techniken (z.B. Schablonendruck) und an Ort und Stelle, d.h. auch in den Straßen der Stadt.. Ausstellungen in Istanbul (Teilnahme an der Istanbul Biennial 2007), Wien, Berlin, Lille, Erlangen, München, Graz. Zahlreiche Projekte im öffentlichen Raum. www.nalanyirtmac.com