10.03.2014 - 11.03.2014

Frühlingsvorlesung 2014

KLAUS THEWELEIT

Die Frühlings- und Herbstvorlesungen antworten auf eine Gegenwartstendenz, die immer ungemütlicher wird. Dem Fortschritt der Moderne wohnt eine Verschleißunruhe inne. Die Vergangenheit wird zunehmend entwertet, die Zukunft ihrer Substanz beraubt. Wer gegen diesen Strom schwimmen will, ermüdet rasch. Die Frühlings- und Herbstvorlesungen sind vom Prinzip Anachronie getragen, also von der Idee, dass engagierte Zeitgenossenschaft mit dem Mut zur Vorsicht ebenso wie der Leidenschaft für das Unzeitgemäße verknüpft werden sollte.

Die Essays der Vorlesungen werden ab 2009 im Residenzverlag in einer eigenen Reihe publiziert.

UNRUHE BEWAHREN - Frühlingsvorlesung & Herbstvorlesung
Akademie Graz in Kooperation mit GrazMuseum, DIE PRESSE und Residenz Verlag

DIE VORLESUNGEN
Die Frühlings- und Herbstvorlesungen der Akademie Graz finden jedes Jahr in der zu Frühlingsbeginn und im November in der Zeit von Allerheiligen von Montag bis Mittwoch in Form von drei Abendvorlesungen statt. Die Vorlesungen hatten in den letzten Jahren prominente Referentenaus dem deutschen Sprachraum, so zum Beispiel Konrad P. Liessmann („Zukunft kommt!“), Franz Schuh („Hilfe! Ein Versuch zur Güte“), Doron Rabinovic („Der ewige Widerstand“), Dimitré Dinev („Barmherzigkeit“), Thomas Macho („Das Leben ist ungerecht“), Anneliese Rohrer („Das Ende der Gehorsamkeit“), Kathrin Passig, („Zwitschern“), Peter Bieri/Pascal Mercier („Wie wollen wir leben?“) oder Ilija Trojanow („Der überflüssige Mensch“).

 

 

KLAUS THEWELEIT,

Egal, ob Theweleit sich auf Faschismus, Kolonialismus, Klassenkämpfe oder Geschlechterkämpfe konzentriert: Sein Ziel ist, hinter dem historischen Faktenwissen allgemeine psycho-soziale Strukturen zu enthüllen. Dafür entwickelte Theweleit eine denkbar umfangreiche Form der Geschichtsschreibung, die auf einem psychoanalystischen Zugang basiert und nicht zwischen high und low unterscheidet. Damit legt er ein überraschendes Geflecht von Bezügen offen, in dem historische Ereignisse in einem anderen Licht erscheinen und tiefer liegende Strukturen auf eine bezwingende und anregende Weise klar werden.

Klaus Theweleit, geb. 1942, ist deutscher Literaturwissenschafter, Kulturtheoretiker und freier Autor.
Theweleit studierte Germanistik und Anglistik. Aufbauend auf seiner Dissertation Freikorpsliteratur: Vom deutschen Nachkrieg 1918−1923 entwickelte er das 1977/1978 erschienene zweibändige Werk Männerphantasien – ein Bestseller, mit dem er internationale Bekanntheit errang. Ebenfalls von großer Bedeutung ist sein mehrere Bände umfassender Pocahontas-Komplex über Kolonialismus und Macht.
Theweleit lehrte am Institut für Soziologie der Universität Freiburg und an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin, von 1998 bis 2008 war er Professor für Kunst und Theorie an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe. Seit seiner Emeritierung ist als freier Autor tätig und hat Lehraufträge in Deutschland, den USA, der Schweiz und Österreich. 2003 erhielt er den Johann-Heinrich-Merck-Preis für literarische Kritik und Essay.
Publikationen u.a.: Männerphantasien 2 Bde., (1977, 1978), Buch der Könige (3 Bände,1988-1994),
Objektwahl (All You Need Is Love …). Über Paarbildungsstrategien (1990), Der Knall: 11. September, das Verschwinden der Realität und ein Kriegsmodell (2002),
Der Pocahontas Komplex (3 Bände, 1999-2013).

10. und 11. März 2014
Beginn: jeweil um 19:00 Uhr
GrazMuseum, Sackstraße 18, 8010 Graz


Anfragen und Anmeldung:

Akademie Graz, Elke Riedlberger
T: 0316 837985-14
E: elke.riedlberger@akademie-graz.at

unterstützt von:
Graz Kultur
Logo und Link Graz Museum
Logo und Link Residenz Verlag
Logo und Link Die Presse
Nachlese
UNRUHE BEWAHREN
FRÜHLINGS- UND HERBSTVORLESUNGEN

Die Frühlings- und Herbstvorlesungen antworten auf eine Gegenwartstendenz, die immer ungemütlicher wird. Dem Fortschritt der Moderne wohnt eine Verschleißunruhe inne. Die Vergangenheit wird zunehmend entwertet, die Zukunft ihrer Substanz beraubt. Wer gegen diesen Strom schwimmen will, ermüdet rasch. Die Frühlings- und Herbstvorlesungen sind vom Prinzip Anachronie getragen, also von der Idee, dass engagierte Zeitgenossenschaft mit dem Mut zur Vorsicht ebenso wie der Leidenschaft für das Unzeitgemäße verknüpft werden sollte.

DIE VORLESUNGEN
Die Frühlings- und Herbstvorlesungen der Akademie Graz finden jedes Jahr zum Frühlingsbeginn und im November in der Zeit von Allerheiligen von Montag bis Dienstag in Form von zwei Abendvorlesungen statt.

 

 

 

Herbstvorlesung
Kontaminierte Landschaften I

Landschaften können uns Gefühle der Vertrautheit, der Geborgenheit, der Ruhe vermitteln. Doch so eine idealisierte Sicht kann trügerisch sein. Von vielen Landschaften wissen wir, dass sie in der Vergangenheit ihre Unschuld verloren haben, durch kriegerische Ereignisse, Schlachten, Massaker. Und es gibt zahlreiche Landschaften, in denen unsägliche Verbrechen, Massenmorde, verübt wurden, allerdings im Verborgenen, unter strenger Geheimhaltung. Manche dieser Orte sind bis heute nicht bekannt. Martin Pollack nennt sie kontaminierte Landschaften – kontaminiert durch verborgene Massengräber. Oft wurde das düstere Geheimnis dieser Orte erst Jahre oder Jahrzehnte später gelüftet, weil die politischen Umstände es vorher nicht zuließen, oder weil man es so genau nicht wissen wollte.
 

Akademie Graz
Neutorgasse 42, 8010 Graz
STADTPLAN

 

Tel: (0043) 0316 83 79 85 - 0
office@akademie-graz.at
www.akademie-graz.at