01.10.2014 - 23.03.2015

GRAZ OFFENE STADT

Ordnungspolitik und Möglichkeitsräume


Welche Stadtkultur wäre wünschenswert für Graz? Wer bestimmt, wie und von wem die Stadträume genützt werden?

International wie auch lokal ist eine zunehmende Reglementierung des Lebens im öffentlichen Raum festzustellen. Anstatt einer Erosion der sozialen Kohäsion entgegen zu wirken, wird unter den Schlagworten der Sauberkeit und Sicherheit eine Kultur der gegenseitigen Kontrolle gefördert.
Wie sich damit Schritt für Schritt ein bedenklicher Wertewandel vollzieht, wird in dieser Ausstellung dokumentiert. Dem stellen wir die optimistische Perspektive der Offenen Stadt entgegen, in der das Aushandeln unterschiedlicher Raumnutzungen als Zeichen von Urbanität gilt.

Eine offene Stadt ist nicht konfliktfrei. Aber es braucht eine Kultur der Offenheit, um den politischen, kreativen und lebendigen Möglichkeitsraum Stadt aufrecht zu halten.
 


 

Themen der Ausstellung:

Eine Offene Stadt garantiert die gemeinsame Nutzung des öffentlichen Raums durch alle Gruppen der Stadtgesellschaft. Sie lässt sich auf das alltägliche Aushandeln der BürgerInnen über das Zusammenleben in ihrem städtischen Lebensraum ein. Das Konzept der Offenen Stadt entstand als Reaktion auf zunehmende Ausgrenzungen im Zuge der Stadtentwicklung.

Spätestens seit Anfang der 1990er Jahre ist fast überall in Europa, auch in Österreich, eine merkliche Zunahme an Gesetzen, Verordnungen und Maßnahmen festzustellen. Als Rechtfertigung dient die Notwendigkeit von mehr öffentlicher Sauberkeit, Ordnung und Sicherheit.
Die Verschärfung einer bereits vorhandenen Regelung, das Aufstellen von Überwachungskameras, das Aufstocken von Sicherheitskräften und viele kleine weitere Schritte sind „1000 kleine Züchtigungstheater“ (Michel Foucault), mit denen sich weitgehend unbemerkt eine neue städtische Kultur etabliert.
Mit Verordnungen im Zeichen von Sauberkeit, Ordnung und Sicherheit werden marginalisierte Gruppen wie Jugendliche, Fremde und von Armut Betroffene zunehmend aus den repräsentativen Stadtteilen verdrängt. Eine ähnliche Wirkung hat auch die „Architektur der Ausgrenzung“, mit der bestimmte Raumnutzungen gleich vorab verunmöglicht werden.

Jede Stadt braucht Möglichkeitsräume so dringend wie Arbeitsplätze und Wohnraum. Möglichkeitsräume sind offene Räume: Grünräume und Leerflächen, Nischen und Zwischenräume. Ihre Unbestimmtheit bietet freie Gestaltungsfreiräume innerhalb einer bestehenden Ordnung.
Als Räume des Ausprobierens individueller und kultureller Möglichkeiten machen sie eine Stadt attraktiv, durchaus auch in ökonomischer Hinsicht. Vernachlässigte Räume bieten aber auch jenen Menschen Möglichkeiten, denen aufgrund ihrer sozialen Lage wenig oder kein Eigenraum zur Verfügung steht.
Räume für öffentliche soziale Beziehungen können nicht einfach hergestellt werden. Sie entstehen auf Initiative der BewohnerInnen und sind wichtig für ihre Identifikation mit der Stadt, für eine gemeinsame Stadtkultur und für die Zukunft der Stadt.

Die Ausstellung zeigt ein internationales Panorama von Verboten im öffentlichen Raum, und sie skizziert das Hochschaukeln von Politik und Medien angesichts einiger „unerwünschter Personen“ am „Billa-Eck“ mit seinen Folgen, z.B. der Ordnungswache in Graz. Sie gibt andererseits Einblicke in Freiräume und alternative Raumnutzungen in Graz und lädt die BesucherInnen zur Mitwirkung an der Schaffung von Möglichkeitsräumen ein – mit Spielen, interaktiven Webseiten und einer partizipativen Stadtkarte.

 

Eine Produktion im Rahmen von IG putzen - Sauberkeit, Ordnung und Sicherheit im öffentlichen Raum

Offenes Netzwerk und Programmsynthese von: Akademie Graz, GrazMuseum und Institut für Volkskunde und Kulturanthropologie der KFU Graz und als Projekt-Output der IG PUTZEN Sauberkeit, Ordnung und Sicherheit im öffentlichen Raum Akademie Graz, Elevate - Festival für zeitgenössische Musik, Kunst und politischen Diskurs, ESC medienkunstlabor, ETC Europäisches Trainings- und Forschungszentrum für Menschenrechte und Demokratie, Forum Stadtpark, Institut für Volkskunde und Kulturanthropologie der KFU Graz, InterACT - Werkstatt für Theater und Soziokultur, La Strada - Internationales Festival für Straßen- und Figurentheater, Xenos - Verein zur Förderung der soziokulturellen Vielfalt

 



IG putzen richtet sich gegen die Verbotskultur im öffentlichen Raum und widmet der Reflexion und Praxis einer Offenen Stadt.

RAHMENPROGRAMM

Intervention von InterACT im Rahmen der Eröffnung:
Zusammensetzung. Mit Abstimmung

Termine im öffentlichen Raum:
03.10.2014: Tummelplatz, 06.10.2014: Griesplatz, 08.10.2014: Eisernes Tor,
09.10.2014: Schloßbergplatz, 10.10.2014: Hauptplatz, jeweils 14.00 – 16.30 Uhr

Unerwartete Möblierungen im Stadtraum bieten die Gelegenheit, auf öffentlichen Plätzen ins Gespräch zu kommen. Man kann dort gemeinsam essen und sich über Erfahrungen mit urbanen Konflikten austauschen. Täglich wird über die beste Lösungsstrategie abgestimmt. Das Ergebnis wird dann feierlich in die Ausstellung gebracht.
http://interact-online.org/aktuell/zusammensetzung-mit-abstimmung

 



Städtische Streitkultur
Offenes Gespräch mit Performance

27.11.2014, 19 Uhr, GrazMuseum, Sackstraße 18, Vortragssaal
Eine gemeinsame Veranstaltung von GrazMuseum, InterACT, Akademie Graz und IG putzen.

Die Abstimmungsergebnisse der GrazerInnen im Zuge des partizipativen Kunstprojekts von InterACT liegen vor. In diesem Publikumsgespräch wird über erwünschte und unerwünschte städtische Streitkultren diskutiert: Welche Handlungsmöglichkeiten stehen bei Konflikten zur Verfügung, welche haben sich bewährt, welche nicht, und welche sollen in Zukunft im Verhaltensrepertoire mehr Rolle spielen?

Mit AkteurInnen von InterACT, Daniela Grabovac (Antidiskriminierungsstelle), Helmut Steinkellner (Caritas-Jugendstreetwork) u.a.
Moderation: Michael Wrentschur (InterACT), Astrid Kury (Akademie Graz)

 

Konzept: Sibylle Dienesch, Astrid Kury, Johanna Rolshoven Ausstellungsteam: Sibylle Dienesch, Ruth Dorothea Eggel, Robin Klengel, Astrid Kury, Elisabeth Luggauer, Heidi Oswald, Johanna Rolshoven, Christina Töpfer unter Mitarbeit von Martin Behr, Ronald Frühwirth und Joachim Hainzl  
Technische Leitung: Christian Smretschnig | Grafik und Ausstellungsdesign: Nina Bammer


Spezielle Angebote für Gruppen und Schüler/-innen sind jederzeit buchbar.

Ausstellungsdauer: 2.10. – 23.03.2015
Öffnungszeiten: Mi – Mo, 10.00 – 17.00 Uhr
GrazMuseum, Sackstraße 18, 8010 Graz

T +43 316 872-7600
grazmuseum@stadt.graz.at

www.grazmuseum.at
www.facebook.com/GrazOffeneStadt
www.akademie-graz.at
www.volkskunde.uni-graz.at

 

 

unterstützt von:
Graz Kultur
Logo und Link Graz Museum
Logo und Link Uni Graz
Nachlese
2014
Terminname
IG PUTZEN
Ausstellung und Programmsynthese und Kooperation zur Praxis einer offenen Stadt

Die kulturanthropologische Stadtforschung konstatiert eine international boomende Gebots- und Verbotskultur im öffentlichen Raum – Reglements des menschlichen Verhaltens, die in kleinen Schritten die grundlegende Idee, was ein öffentliches Gemeinwesen ist, verändern. Anstatt einer Erosion der sozialen Kohäsion entgegen zu wirken, wird eine Kultur der gegenseitigen Kontrolle gefördert. Sicherheit und Sauberkeit sind die politischen Schlagworte. Besonders bedenklich ist dabei die Aufweichung des Gewaltmonopols durch Beauftragung von Firmen zur Überwachung dieser Ordnung. Der öffentliche Raum wird zum ‹Fahndungsraum›
(W. Kaschuba).

Akademie Graz
Neutorgasse 42, 8010 Graz
STADTPLAN

 

Tel: (0043) 0316 83 79 85 - 0
office@akademie-graz.at
www.akademie-graz.at