17.03.2018 - 17.03.2018

ZUGABE ZU ORLANDO

ME TOO

In der Reihe „Zugabe“ beziehen Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Philosophie, Wirtschaft und Politik Stellung zu Produktionen des Schauspielhaus-Spielplans. Die Zugaben vor Vorstellungsbeginn bieten Hintergrundwissen und Statements zu thematischen Schwerpunkten in den Inszenierungen des Hauses.

In der Zugabe zum Stück Orlando wird Frau Prof. Dr. Sabine Grenz einen Vortrag über Gender-Equality  und Chancengleichheit mit dem Titel "Me Too" halten.

Sie ist Professorin für Gender-Studies an der Fakultät für Philosophie und Bildungswissenschaft, der Fakultät für Sozialwissenschaften und der Philologisch-Kulturwissenschaftlichen Fakultät

 

 

 

ZUM STÜCK:

Orlando

Nach dem gleichnamigen Roman von Virginia Woolf

Welche Vielzahl an Erfahrungen sammelt ein Individuum im Laufe eines Lebens? Wie reich und vielgestaltig an Eindrücken und Erlebnissen ist das Dasein und wie viel aktives, kreatives Wirken kann die Lebensspanne eines Einzelnen umfassen? Es gibt wenige Figuren der Weltliteratur, deren Lebensreise eine größere Fülle zu bieten hat als Virginia Woolfs Orlando. Denn Orlando hat eben nicht nur ein Leben und eine Liebe, ist nicht in nur einem Körper und einer Kultur zu Hause, sondern lässt gleich mehrere grundverschiedene in einer Lebensgeschichte verschmelzen.
Er beziehungsweise sie durchlebt im Verlauf von vier Jahrhunderten eine Vielzahl von Metamorphosen und Transformationen: Spielend und spielerisch werden die Grenzen von Zeit, Raum und sogar die zwischen den Geschlechtern aufgelöst. Virginia Woolfs berühmte Erzählung setzt in der Renaissance ein und begleitet die Titelfigur von der Jugend bei Hofe Elisabeths I. und Jakob I. von England über den Diplomatendienst in der Türkei, wo aus Lord Orlando eines Morgens Lady Orlando wird. Es folgt eine Zeit als Lebedame im aufklärerisch-aufgeräumten 18. und als Literatin im romantisch- sentimentalen 19. Jahrhundert, bis Orlando in Woolfs Gegenwart, der Moderne, anlangt. Zu ihrem vorläufigen Ende kommt die Geschichte exakt zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Romans selbst – am 11. Oktober 1928.
Mit Orlando schuf Virginia Woolf eine der wohl charismatischsten und schillerndsten Figuren der Literaturgeschichte. Aus einer schriftstellerischen Laune heraus setzte sie mit dieser fantastischen und doch wahrhaftigen Biografie ihrer langjährigen Freundin, Geliebten und Schriftsteller-Kollegin Vita Sackville-West ein literarisches Denkmal, das mit seiner wirkmächtigen, poetischen Sprache und seinen Reflexionen über das Dasein als Mensch und als Künstler*in seinesgleichen sucht. Der Roman ist halb witzige Parodie auf die Genres der Biografie und Geschichtsschreibung, halb philosophische Betrachtung über die Zeit und das Selbst, die Liebe und die Grenzen von Geschlechterrollen. Woolf destilliert in ihrem Werk mehr als 400 Jahre europäischer Kulturgeschichte zu einer einzigen Vita. Denn jedes Individuum, so war sich Woolf sicher, hat in einem viele Leben und Alter-Egos, greift täglich zu unendlich vielen Verkleidungen und Rollen. Mit „Orlando“ reißt sie so leidenschaftlich wie humorvoll eine Debatte über Identitätskonstruktion, klassische Rollenbilder und die Möglichkeiten und Schwierigkeiten der Selbstfindung an.

 

Eine Zusammenarbeit von Akademie Graz, Schauspielhaus Graz und Karl-Franzens-Universität Graz

Eine ZUGABE anlässlich des Stücks „Orlando“
Nach dem gleichnamigen Roman von Virginia Woolf

Regie: Jan Stephan Schmieding


Samstag, 17. März 2018, 19:00 Uhr
Schauspielhaus Graz, Redoutensaal
Eintritt zum Vortrag frei!


Im Anschluss an die Vorstellung laden wir Sie
zu einem gemeinsamen Gespräch mit
Prof.in Dr.in Sabine Grenz und den SchauspielerInnen ein.

Karten für die Vorstellung müssen separat erworben werden
Tickets unter 0316 8000 oder tickets@ticketzentrum.com

Infos zum Vortrag:
Akademie Graz, Neutorgasse 42 8010 Graz;
T: +43 316 837985-0
office@akademie-graz.at


Infos zur Veranstaltung:
www.schauspielhaus-graz.com

unterstützt von:
Logo Land Steiermark Kultur, Europa, Aussenbeziehungen
Graz Kultur
Logo und Link Uni Graz
Logo und Link Kleine Zeitung
Nachlese
ZUGABE FOLGE XV
>> Weltfamilien und ihre Herausforderungen <<

Vortrag von Elisabeth Beck-Gernsheim, Soziologin (Institute for Cosmopolitan Studies, Universität München)

Was geschieht, wenn die nationale, religiöse, kulturelle, ethnische etc. Grenzen mitten durch Familien gehen? Kann es sein, dass, woran die große Welt scheitert, in den neuen Liebes- und Familienformen mitunter gelingt? Die Verflechtung der Welt ist unrevidierbar, sagt Elisabeth Beck-Gernsheim, und die interkulturellen Familien, die „Weltfamilien“, wie sie sie nennt, leben das schon heute.
 


 

ZUGABE XVI
>> WAR PORN <<

ZUGABE 
CACTUS LAND
Der Kriegsfotograf Christoph Bangert versammelte in seinem Buch „War Porn“ grausame Kriegsbilder, die nie veröffentlicht wurden. Im Gespräch mit Dramaturg Jan Stephan Schmieding spricht er über die vieldiskutierte Grenze zwischen differenzierter Auseinandersetzung und voyeuristischer Vermarktung sowie über die Frage, ob sich eine solche Grenze überhaupt festmachen lässt.
Eine ZUGABE anlässlich des Stücks „Cactus Land“, das anhand von Anthony Loyds Autobiografie
„My War Gone By, I Miss It So“ entwickelt wurde.
 

ZUGABE FOLGE XVII
AUFLEHNUNG ODER GEHORSAM

Marianne Gronemeyer ist eine radikale Kritikerin von Konsumkultur, Innovationsfieber, Effizienzdruck und Versäumnisangst. Bekannt wurde die Erziehungs- und Sozialwissenschaftlerin mit Büchern wie Das Leben als letzte Gelegenheit. Sicherheitsbedürfnisse und Zeitknappheit oder Genug ist genug. Die Kunst des Aufhörens. Auch in der Bildungsdebatte steht für sie die Frage nach dem „guten Leben“ im Vordergrund. Zu selbstverständlich scheint es uns heute, dass die Bedürfnisse der Institutionen über jene der Menschen dominieren.
Ein Zugabe anlässlich der Junk Opera „Struwwelpeter“ von Julian Crouch, Phelim McDermott und Martyn Jacques, Regie: Markus Bothe.

 


 

ZUGABE FOLGE XVIII
Die Zeit des Rauschs

In Vorträgen oder Gesprächen geben ExpertInnen vor ausgewählten Theater-Vorstellungen Einführungen der besonderen Art.

Eine Zusammenarbeit von Akademie Graz, Schauspielhaus Graz und Karl-Franzens-Universität Graz

 

Robert Feustel ist Historiker und Politikwissenschaftler an der Universität Leipzig. In seinem Buch „Grenzgänge“ analysiert er
die Kulturen des Rauschs seit der Renaissance. Im zeitgenössischen Optimierungs- und Effzienzwahn hat sich die Idee des Rausches als Freiraum und Auszeit verwischt. Zudem hat eine pharmakologische Anpassung an die Erfordernisse der Gegenwart stattgefunden - denn nicht mehr das Ausklinken, sondern das Besserwerden steht im Vordergrund. Seinen kritischen Stachel hat der Rausch also verloren.

Eine ZUGABE anlässlich des Stücks „Betrunkene“ von Iwan Wyrypajew
Regie: Bernadette Sonnenbichler.

 


 

Akademie Graz
Neutorgasse 42, 8010 Graz
STADTPLAN

 

Tel: (0043) 0316 83 79 85 - 0
office@akademie-graz.at
www.akademie-graz.at