04.05.2018 - 25.05.2018

EVA EGERMANN: DAS EXPLODIERENDE MAGAZIN

Präsentation Crip Magazine No. 1 und No. 2

SA 05.05.2018, 12.00 Uhr (Tag der Inklusion):
Ausstellungseröffnung in Kooperation mit dem Institut für Amerikanistik der KFU Graz im Rahmen von aktuelle kunst in graz
Mit Tamar Tembeck, McGill University, Montreal, Canada: Über Kunst in den Critical Disability Studies 

Die Bilder, die wir täglich sehen, bestimmen den Horizont unserer Vorstellungen: das „politisch Unterbewusste“ (Frederic Jameson). Diesen alltäglichen Normierungen setzt das Crip Magazine alternative Lesarten von
Krankheit, Behinderung und Schmerz entgegen. Ziel ist über Kunst, visuelle Kultur und das Imaginäre eine andere Praxis zu erproben. Die Beiträge beschäftigen sich mit Crip-Popkultur, Kunst, Body-Issues und körperlichen sozialen Beziehungen.

Eva Egermann ist Künstlerin und lebt in Wien. Sie lehrte an Kunsthochschulen in Wien, Linz, Luzern und Zürich und arbeitet in unterschiedlichsten Medien und Kollaborationen (wie z.B. der Manoa Free University). Zahlreiche Publikationen, z.B. „Regime. Wie Dominanz organisiert und Ausdruck formalisiert wird“ oder „Class Works“ und kuratorische Projekte, z.B. „2 or 3 Things we’ve learned. Intersections of Art, Pedagogy and Protest“ oder „On Uncanny States and Bodies“). Im Rahmen ihres PhD in Practice Projekts „Crip Modes of Artistic Research“ sind künstlerische Projekte, Performances, Ausstellungen sowie das Crip Magazine entstanden.
http://cripmagazine.evaegermann.com/ueber-crip-magazine/

Ausstellungseröffnung:
05. Mai 2018
Beginn: 12:00 Uhr

 

Ausstellungsdauer:
04.05. – 25.05.2018


Öffnungszeiten:
10.00 – 17.00, Fr 10 – 14.00
und nach Vereinbarung

Galerientage 04. - 06. Mai 2018
Fr, 18.00 - 23.00 Uhr
Sa, 11.00 - 19.00 Uhr
So, 11.00 - 17.00 Uhr

 

Akademie Graz
Neutorgasse 42
8010 Graz
+43 (0)316-837985-0
office@akademie-graz.at
 

unterstützt von:
Logo Land Steiermark Kultur, Europa, Aussenbeziehungen
Graz Kultur
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Logo und Link Aktuelle Kunst in Graz
Nachlese
ZEITGEFÜGE
AUSSTELLUNG JUDITH SAUPPER

Wie ist der Raum beschaffen, wenn er nicht erfahren wird? Wie kann man Zeit bildlich darstellen? Judith Saupper beschäftigt sich mit genau diesen Fragen und erarbeitet in Form von Collagen, sowohl heuristisch als auch künstlerisch, zweidimensionale Arbeiten auf Papier, Modelle von Hochhäusern und Nicht-Orten sowie collagierte Raum-Objekte und Installationen. Die Künstlerin geht dabei von der urbanen Gegenwart aus, wobei ihr Fokus auf der erfühlten Qualität von Räumen liegt.

 

Eine Kooperation von Akademie Graz, Haus der Architektur und
LICHTUNGEN - Zeitschrift für Literatur, Kunst und Zeitkritik.

ÜBERSCHREIBUNGEN
KUNSTDIALOGE AUF AUGENHÖHE

Überschreiben und Neu-Codieren sind, so Peter Weibel, elementare Strategien des kulturellen Wandels. Traditionen werden einer beständigen Aktualisierung unterworfen. Das findet gegenwärtig auch im Umgang mit Behinderung statt: Selbstbestimmt zu leben, ein Gegenüber auf Augenhöhe zu sein und die Welt mitzugestalten, das sind die Ziele von Inklusion.

Der Kunstdialog zwischen dem Atelier Randkunst der Lebenshilfe und der 6A-Klasse am Akademischen Gymnasium unter künstlerischer Begleitung von Walter Köstenbauer ist ein gutes Beispiel für das gemeinsame Gestalten auf Augenhöhe: In mehrmaligen Begegnungen haben die Randkünstler und die SchülerInnen Werke getauscht und wechselweise überarbeitet. Die dabei praktizierte Sensibilität, Respekt und Wertschätzung für den Selbstausdruck des Anderen hat die gemeinsame Arbeit an einem größeren Ganzen erst ermöglicht.

 


 

 

AUSSTELLUNG MICHAELA BRUCKMÜLLER
…sollst sanft in meinen Armen schlafen… oder das dualistische System der toxischen Flora

Michaela Bruckmüller behandelt das Thema Kommunikation am Beispiel heimischer Pflanzen, die zur Abwehr und somit Arterhaltung Gifte bilden. Während andere Pflanzen sich mit Stacheln oder Dornen abgrenzen, wird ihre Giftigkeit oft durch Signalfarben sichtbar. Sie locken nach außen durch Schönheit in Farbe und Form, tragen aber den Abgrund in sich, denn sie sind meist beim ersten Kontakt für den Menschen toxisch, also krankmachend. Sobald man sich aber näher mit einer Pflanze beschäftigt und ihre Giftstoffe in eine bestimmte Konzentration und Zusammensetzung bringt, kann sie – entgegen ihres vormaligen pathogenen „Konzepts“ –  auch kurativ wirken. Übertragen auf den Menschen wird hiermit die Kommunikation als ein Prozess definiert, der sich zwischen Abwehr, Schutz, Verlockung und tieferer Auseinandersetzung bewegt. Bruckmüller stellt die Pflanzen in großformatigen, gestochen scharfen Aufnahmen in einer nüchternen, dekorativen Ästhetik dar. Inkludiert ist die lateinische Bezeichnung der jeweiligen Pflanze sowie ihre Bedeutung für die Kommunikation mit der Umgebung. Zu den Arbeiten werden von einer Frau gelesene Texte aus dem Buch „Tod und Flora“ von Helmut Eisendle – eine Vorstellung von 33 Giftpflanzen und deren toxischen „Qualitäten“ sowie absurde Berichte von Menschen, die durch von anderen verabreichte Pflanzengifte starben – eingespielt.                                                                                         Petra Noll

 

AUSSTELLUNG JULIA GAISBACHER UND BARBI MARKOVIC
ONE DAY YOU WILL MISS ME

Belgrads neues Luxusviertel Waterfront steht mit seinem kontrastreichen Umbau der Stadtvedute für einen ungenierten ästhetischen Kapitalismus. Julia Gaisbacher und Barbi Markovic untersuchen in ihrem gemeinsamen Kunst-Literatur-Projekt diese vielsagenden Überlagerungen von Sein und Seinsollen, wie sie sich auf der Baustelle und in der Bewerbung des Stadtentwicklungsprojekts zeigen. Denn die Effekte dieser Wirklichkeit gewordenen Scheinwelt erweisen sich als repräsentativ für viele Umbrüche der Gegenwart.

 

Das überdimensionale Stadtteilentwicklungsprojekt „Waterfront Project“ der Eagle Hill Group transformiert den Stadtteil Belgrads Savamala sowie die gesamte Stadtlandschaft nachhaltig. Anstelle des gewachsenen Wohnviertels sowie der alten Hafen- und Bahnhofsanlage sollen gated communities, Büros und Retailflächen für eine aufstrebende Mittelschicht entstehen. Die daraus resultierenden urbanen Verdrängungsprozesse und Zwangsenteignungen werden auf politischer Ebene wohlwollend geduldet und nicht entgegengewirkt. Kritischen Medienberichten zu Folge profitieren Teile der Regierung durch Korruption rund um das Immobiliengeschäft während ökonomisch schwache Stadtbewohner*innen dadurch weiter an den Rand des Stadtgefüges gedrängt werden.
Zum weithin sichtbaren Symbol des „Waterfront Project“ wurden die beiden ersten Wohntürme des 1,8 Millionen Quadratmeter umfassenden Bauprojekts. Lebendiger urbaner Raum ist stets Veränderungen unterworfen, allerdings kaum derart drastischen Einschnitten. Das Bauprojekt dominiert stadtplanerisch, ökonomisch selbst visuell den Alltag Belgrads. Der erste Teil Julia Gaisbachers fortlaufende Dokumentation „One day you will miss me“ hält den status quo des Belgrader Stadtgefüges zum Zeitpunkt des Rohbaus der beiden Wohntürme und damit unweigerlich die Verfasstheit der serbischen Politik beziehungsweise gesellschaftlicher Verdrängungsprozesse fest. Niemals im Fokus der Fotos, sind die Türme stets präsent und kontrastieren mit der alten Bausubstanz der gewachsenen Stadt. In ihrer Dimension und Materialität bleiben sie Fremdkörper in der Belgrader Stadtlandschaft. Erst im Austausch mit den Bewohnern*innen der Stadt wird bewusst, dass selbst derartige architektonische Eingriffe innerhalb kurzer Zeit Teil der persönlichen Sehgewohnheiten und gleichsam langsam unsichtbar werden.
Gleichzeitig offenbart sich in Belgrad als einem der hotspots der Fluchtbewegungen nach Europa die Paradoxie internationaler Mobilität. Während durch die Schließung der so genannten Balkanroute unzählige Menschen auf ihrer Flucht in Belgrad strandeten, gilt für die Initiatoren des „Waterfront Project“, die Investoren der arabischen Immobilienentwicklungsgruppe „Eagle Hills“, uneingeschränkte Mobilität. So zeigt sich wie Geschäftsinteressen losgelöst von limitierenden Grenzziehungen agieren können. Im Gegensatz dazu stoßen die geflüchteten Menschen entlang der ungarischen, kroatischen und griechischen Grenze in Serbien und Mazedonien an eine für sie legal unüberwindbare Hürde. Dieses Scheitern einer koordinierten und solidarischen Politik Europas schreibt sich ebenso in die Stadtlandschaft Belgrads ein.


(Anna Resch und Sebastian Jobst, 2017)

 


 

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