20.06.2018 - 06.07.2018

SCHALEN SCHLACHT MIT RUHELOS 4.1.2

Ausstellung Matthias Bürger-Mader

Danke

für den Fisch!
für Dich!
für Musen!
an mich, sowieso!
der Familie!
den Kindern!
an Alle!

 

Der Tod als Feier, als Spiel.
Wir haben ihn buchstäblich vor Augen, wenn wir die Tassen des Künstlers berühren; wenn wir sie aus ihrer zitternden Halterung heraus nehmen; aus ihnen trinken – immer schwingt im wörtlichen Sinn die Möglichkeit des Zerbrechens und der Moment des Todes mit. Innezuhalten und genau dort hinzusehen, dazu zwingt uns die Arbeit von Matthias Bürger Mader. Durch die wohlüberlegte Anordnung von „4.1 Ruhelos“ schafft der Künstler eine angenehme Atmosphäre, die uns aus dem Alltagslärm auf den Boden holt, um gemeinsam das zu erfahren, was uns alle miteinander verbindet: Die Fragilität unserer eigenen Existenz.
„Der Grund, von dem aus die Leiter hinaufsteigt empor ins Universum, ist der Tod.“ , schreibt Matthias Bürger Mader. Der Tod, der nicht nur das Ende des Lebens bedeutet, sondern ihm durch seinen Stachel auch jene Intensität und Dynamik verleiht, von der wir im Leben angespornt und bewegt werden.
Die Existenz als Dasein ist ein ruheloser Prozess des permanenten Hervortretens und Entstehens. „Ek-stasis“ heißt wörtlich: Hinaustreten, ein Hinausstehen ins Offene. Dieses extatische Wesen des Menschen mit all seinen Gefahren und Möglichkeiten ruft 4.1 Ruhelos“ wach. Was dieses Gewahrwerden der Zerbrechlichkeit unserer eigenen Existenz mit jedem Einzelnen macht, ist ungewiss. Genau darauf zielt die soziale Plastik von Matthias Bürger Mader ab. Der Künstler verabsäumt es hier nicht, darauf  hinzuweisen, dass wir diese – auch – schmerzliche Erfahrung nicht alleine machen: „Niemand ist alleine auf diesem Weg.“

Georg Pöchacker

Ausstellungseröffnung:
20. Mai 2018
Beginn: 20 Uhr

 

Ausstellungsdauer:
21.06. – 06.07.2018


Öffnungszeiten:
10.00 – 17.00, Fr 10 – 14.00
und nach Vereinbarung

 

Akademie Graz
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8010 Graz
+43 (0)316-837985-0
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Graz Kultur
Nachlese
ÜBERSCHREIBUNGEN
KUNSTDIALOGE AUF AUGENHÖHE

Überschreiben und Neu-Codieren sind, so Peter Weibel, elementare Strategien des kulturellen Wandels. Traditionen werden einer beständigen Aktualisierung unterworfen. Das findet gegenwärtig auch im Umgang mit Behinderung statt: Selbstbestimmt zu leben, ein Gegenüber auf Augenhöhe zu sein und die Welt mitzugestalten, das sind die Ziele von Inklusion.

Der Kunstdialog zwischen dem Atelier Randkunst der Lebenshilfe und der 6A-Klasse am Akademischen Gymnasium unter künstlerischer Begleitung von Walter Köstenbauer ist ein gutes Beispiel für das gemeinsame Gestalten auf Augenhöhe: In mehrmaligen Begegnungen haben die Randkünstler und die SchülerInnen Werke getauscht und wechselweise überarbeitet. Die dabei praktizierte Sensibilität, Respekt und Wertschätzung für den Selbstausdruck des Anderen hat die gemeinsame Arbeit an einem größeren Ganzen erst ermöglicht.

 


 

 

AUSSTELLUNG MICHAELA BRUCKMÜLLER
…sollst sanft in meinen Armen schlafen… oder das dualistische System der toxischen Flora

Michaela Bruckmüller behandelt das Thema Kommunikation am Beispiel heimischer Pflanzen, die zur Abwehr und somit Arterhaltung Gifte bilden. Während andere Pflanzen sich mit Stacheln oder Dornen abgrenzen, wird ihre Giftigkeit oft durch Signalfarben sichtbar. Sie locken nach außen durch Schönheit in Farbe und Form, tragen aber den Abgrund in sich, denn sie sind meist beim ersten Kontakt für den Menschen toxisch, also krankmachend. Sobald man sich aber näher mit einer Pflanze beschäftigt und ihre Giftstoffe in eine bestimmte Konzentration und Zusammensetzung bringt, kann sie – entgegen ihres vormaligen pathogenen „Konzepts“ –  auch kurativ wirken. Übertragen auf den Menschen wird hiermit die Kommunikation als ein Prozess definiert, der sich zwischen Abwehr, Schutz, Verlockung und tieferer Auseinandersetzung bewegt. Bruckmüller stellt die Pflanzen in großformatigen, gestochen scharfen Aufnahmen in einer nüchternen, dekorativen Ästhetik dar. Inkludiert ist die lateinische Bezeichnung der jeweiligen Pflanze sowie ihre Bedeutung für die Kommunikation mit der Umgebung. Zu den Arbeiten werden von einer Frau gelesene Texte aus dem Buch „Tod und Flora“ von Helmut Eisendle – eine Vorstellung von 33 Giftpflanzen und deren toxischen „Qualitäten“ sowie absurde Berichte von Menschen, die durch von anderen verabreichte Pflanzengifte starben – eingespielt.                                                                                         Petra Noll

 

AUSSTELLUNG JULIA GAISBACHER UND BARBI MARKOVIC
ONE DAY YOU WILL MISS ME

Belgrads neues Luxusviertel Waterfront steht mit seinem kontrastreichen Umbau der Stadtvedute für einen ungenierten ästhetischen Kapitalismus. Julia Gaisbacher und Barbi Markovic untersuchen in ihrem gemeinsamen Kunst-Literatur-Projekt diese vielsagenden Überlagerungen von Sein und Seinsollen, wie sie sich auf der Baustelle und in der Bewerbung des Stadtentwicklungsprojekts zeigen. Denn die Effekte dieser Wirklichkeit gewordenen Scheinwelt erweisen sich als repräsentativ für viele Umbrüche der Gegenwart.

 

Das überdimensionale Stadtteilentwicklungsprojekt „Waterfront Project“ der Eagle Hill Group transformiert den Stadtteil Belgrads Savamala sowie die gesamte Stadtlandschaft nachhaltig. Anstelle des gewachsenen Wohnviertels sowie der alten Hafen- und Bahnhofsanlage sollen gated communities, Büros und Retailflächen für eine aufstrebende Mittelschicht entstehen. Die daraus resultierenden urbanen Verdrängungsprozesse und Zwangsenteignungen werden auf politischer Ebene wohlwollend geduldet und nicht entgegengewirkt. Kritischen Medienberichten zu Folge profitieren Teile der Regierung durch Korruption rund um das Immobiliengeschäft während ökonomisch schwache Stadtbewohner*innen dadurch weiter an den Rand des Stadtgefüges gedrängt werden.
Zum weithin sichtbaren Symbol des „Waterfront Project“ wurden die beiden ersten Wohntürme des 1,8 Millionen Quadratmeter umfassenden Bauprojekts. Lebendiger urbaner Raum ist stets Veränderungen unterworfen, allerdings kaum derart drastischen Einschnitten. Das Bauprojekt dominiert stadtplanerisch, ökonomisch selbst visuell den Alltag Belgrads. Der erste Teil Julia Gaisbachers fortlaufende Dokumentation „One day you will miss me“ hält den status quo des Belgrader Stadtgefüges zum Zeitpunkt des Rohbaus der beiden Wohntürme und damit unweigerlich die Verfasstheit der serbischen Politik beziehungsweise gesellschaftlicher Verdrängungsprozesse fest. Niemals im Fokus der Fotos, sind die Türme stets präsent und kontrastieren mit der alten Bausubstanz der gewachsenen Stadt. In ihrer Dimension und Materialität bleiben sie Fremdkörper in der Belgrader Stadtlandschaft. Erst im Austausch mit den Bewohnern*innen der Stadt wird bewusst, dass selbst derartige architektonische Eingriffe innerhalb kurzer Zeit Teil der persönlichen Sehgewohnheiten und gleichsam langsam unsichtbar werden.
Gleichzeitig offenbart sich in Belgrad als einem der hotspots der Fluchtbewegungen nach Europa die Paradoxie internationaler Mobilität. Während durch die Schließung der so genannten Balkanroute unzählige Menschen auf ihrer Flucht in Belgrad strandeten, gilt für die Initiatoren des „Waterfront Project“, die Investoren der arabischen Immobilienentwicklungsgruppe „Eagle Hills“, uneingeschränkte Mobilität. So zeigt sich wie Geschäftsinteressen losgelöst von limitierenden Grenzziehungen agieren können. Im Gegensatz dazu stoßen die geflüchteten Menschen entlang der ungarischen, kroatischen und griechischen Grenze in Serbien und Mazedonien an eine für sie legal unüberwindbare Hürde. Dieses Scheitern einer koordinierten und solidarischen Politik Europas schreibt sich ebenso in die Stadtlandschaft Belgrads ein.


(Anna Resch und Sebastian Jobst, 2017)

 


 

EVA EGERMANN: DAS EXPLODIERENDE MAGAZIN
Präsentation Crip Magazine No. 1 und No. 2

SA 05.05.2018, 12.00 Uhr (Tag der Inklusion):
Ausstellungseröffnung in Kooperation mit dem Institut für Amerikanistik der KFU Graz im Rahmen von aktuelle kunst in graz
Mit Tamar Tembeck, McGill University, Montreal, Canada: Über Kunst in den Critical Disability Studies 

Die Bilder, die wir täglich sehen, bestimmen den Horizont unserer Vorstellungen: das „politisch Unterbewusste“ (Frederic Jameson). Diesen alltäglichen Normierungen setzt das Crip Magazine alternative Lesarten von
Krankheit, Behinderung und Schmerz entgegen. Ziel ist über Kunst, visuelle Kultur und das Imaginäre eine andere Praxis zu erproben. Die Beiträge beschäftigen sich mit Crip-Popkultur, Kunst, Body-Issues und körperlichen sozialen Beziehungen.

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